Chaibi wirbelt, santos bricht weg – frankfurts sieg mit bitterem beigeschmack

42 Sekunden brauchte Fares Chaibi, um Freiburg zu demontieren – und eine halbe Sekunde, um Kaua Santos' rechtes Knie erneut zu zerfetzen. Der 2:0-Sieg der Eintracht rückt am siebten Spieltag nach der Winterpause an den europäischen Plätzen vor, doch die Freude bleibt im Gurgel stecken: Santos, erst vor vier Wochen vom Kreuzband-Comeback zurück, prallte mit Ex-Hesse Igor Matanovic zusammen und klappte schon wieder die Schiene um.

Chaibi als joker, santos als jammer

Albert Riera hatte seine Rotation offensichtlich geplant: Jonathan Burkardt stürmte, Mario Götze lenkte, Nathaniel Brown rutschte ins defensive Mittelfeld – alles gut, alles frisch. Doch nach 28 Sekunden war der Plan Makulatur. Santos war draußen, Michael Zetterer drin, und die Kurve sang erstmal nur ein leises „Ooooh“, das sich schnell zu einem gepressten „Scheiße“ verwandelte.

Die Szene: Matanovic prescht durch, Santos kommt raus, beide gehen mit vollem Risiko. Kopf an Knie, Knie gegen Kopf – wer zuerst am Ball war, spielte plötzlich keine Rolle mehr. Santos bleibt liegen, schlägt mit der Hand auf den Rasen, winkt sofort ab. Die Schiene, die ihn nach seiner ACL-Operation begleitete, ist wieder da. Die Ärzte vermuten erneute Bänderdehnung, echte Diagnose folgt am Montag.

Chaibi schlägt nicht nur ein, er erklärt

Chaibi schlägt nicht nur ein, er erklärt

Was bleibt, ist der Mann, der alles durcheinanderwirbelt: Fares Chaibi. Einwechslung 63., Tor 64., Vorlage 81. – das sind Zahlen, die sich nach Wochenende auf dem Excel-Sheet der Scouts rot anmalen. Sein 1:0 ist kein Abstauber, sondern ein Strich durchs Herz der Freiburger Viererkette: Collins legt quer, Chaibi nimmt den Ball mit der Innenseite mit, lässt Kübler stehen und schlenzt ins lange Eck. Noah Atubolu fliegt, vergeblich.

Zehn Minuten später der Chip, der die Twitter-Timeline sprengt: Chaibi sieht den Lauf Bahoyas, lässt die Kugel wie auf einem Faden fallen, der Youngster hebt über Atubolu – 2:0, Spiel entschieden, Gäste entzaubert. Freiburg hatte bis dahin genau eine nennenswerte Szene: Matanovic' Kopfball an den Pfosten (45.+1), den Zetterer eh nicht mehr erreicht hätte.

Riera schiebt frankfurt auf europa-kurs

Riera schiebt frankfurt auf europa-kurs

Die Tabelle lügt nicht: Frankfurt springt auf Rang sieben, nur zwei Punkte hinter dem Leipziger Europa-League-Platz. Der Glaubenssatz „Die SGE ist wieder da“ hallt durchs Waldstadion, doch Riera weiß, dass er ohne Santos umplanen muss. Zetterer hält zwar stark (85.), doch der zweite Stammkeeper steht mit dem U-21-Nationaltorwart Lenny Meyer bereits in der Startlöchern. Einen externen Notnagel lehnte der Vorstand am Samstagabend ab – Vertrauen in die interne Hierarchie.

Am Sonntag geht’s nach St. Pauli, wo das Millerntor tobt und der Boden ruckelt. Für Chaibi könnte das bedeuten, erstmals in der Startelf zu stehen; für Santos heißt es wieder Reha, wieder Knie, wieder Monate statt Wochen. Die Erkenntnis des Abends: Frankfurt gewinnt Spiele, aber die Saison gewinnt nur, wer gesund bleibt. Und diese Rechnung ist momentan keineswegs gesichert.