Chaibi schießt sich in 42 sekunden zum star – und bleibt trotzdem eintrachts heimlicher held

Frankfurt am Main – 42 Sekunden. Nicht einmal die Zeit, um ein Bier zu zapfen, reichte Farès Chaibi, um den jubelnden Block im Waldstadion in Ekstase zu versetzen. Sein Tor gegen Freiburg war keine Einführung, es war ein Knall. Doppelpass, strammer Linksschuss, 1:0 – und die nächste Vorlage folgte nach 15 Minuten. Ein Spiel, zwei Scorer-Punkte, null Tamtam.

Warum der algerier trotz bestwerten nur joker bleibt

Die Statistik liebt Chaibi, die Startelf nicht. 18 Liga-Einsätze, nur sieben Mal durchgespielt – und dennoch steht er mit zwei Treffern und acht Assists vorne. Olise, Díaz, Ryerson – das ist die Prominenz, die mehr Vorlagen als er hat. Kein Eintrachtler liefert mehr. Trainer Albert Riera redet das klein: „Das Bonbon holt sich, wer zuletzt kommt.“ Nett gemeint, kalte Realität.

Chaibi selbst lächelt, aber seine Augen sind hart. „Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich sehr ehrgeizig bin“, sagt er und wischt sich die Finger am Trikot ab, als wolle er die Reservistenrolle abstauben. Die vergangenen Monate waren „schwer“, der neue Coach habe „den Knoten platzen lassen“. Videoanalysen bis spät in den Abend, individuelle Schaltungen, ein System, das ihm Raum gibt – wenn er denn kommt.

Die Fans rufen seinen Namen, doch in der Rangliste der medialen Lieblinge taucht Chaibi selten auf. Kein Instagram-Gehabe, keine Frisur, die Schlagzeilen macht. Stattdessen Sprintwerte, die sich mit 33 km/h nur hinter Kolo Muani bewegen, und eine Erfolgsquote bei Dribblings, die selbst Ex-Profi Christoph Kramer im ARD-Mikro vernehmlich durchschnaufen ließ: „Der Typ trägt Schleifchen und sagt trotzdem Danke.“

Was jetzt auf dem spiel steht

Was jetzt auf dem spiel steht

Mit jedem Jokertor wächst der Druck, ihn von Anfang an aufzustellen. Riera wird nicht ewig Götze und Höjlund vorbehalten, damit Chaibi das Bonbon kassiert. Die Europa-League-Plätze rücken näher, die Konkurrenz im Kader auch. Wer in Frankfurt zukünftig links startet, muss Tempo, Abschluss und Defensivarbeit vereinen – Chaibi liefert alle drei.

Am Sonntag wartet Union Berlin, ein Gegner, der die Räume nicht so freundlich stapelt wie Freiburg. Chaibi wird wieder auf der Bank sitzen – oder doch von Beginn an? Die Tribüne hat sich bereits eine Position ausgesucht: 42 Sekunden nach Anpfiff, Sprechchöre inklusive. Dann wäre der Hidden Champion endgültig enttarnt.