Cervelli jagt venezuela: italiens baseball-helle im halben finale
Francisco Cervelli tritt im halben Finale des World Baseball Classic gegen sein Geburtsland Venezuela an – und damit gegen die eigene Vergangenheit. Die Azzurri schmetterten zuvor Puerto Rico, nun warten Ronald Acuña Jr. & Co. auf den Rasen von Miami.
Der venezolaner mit italischem herzen
Valencia geboren, Bitonto im Blut. Cervellis Vater wanderte mit elf Jahren nach Südamerika aus, der Sohn trägt seit 2009 das blau-weiße Trikot. 13 MLB-Saisons, ein Ring mit den Yankees, 605 Hits – doch die Statistik zählt nicht. Zählt nur das 7-0 gegen Puerto Rico, das Cervelli mit Krawatte und Cappuccino kommentierte: „Wir spielen für 60 Millionen Italiener, die noch nie einen Fang gesehen haben.“
Im dugout mischt er Kaffee wie ein Barista aus Neapel, auf dem Feld schickt er Vinnie Pasquantino & Co. mit einem Kuss ins Batter’s Box. Gegner Venezuela? Fünfmal Weltmeisterschaft, fünfmal Sieg. 2006-2009 ging es 23-1 aus, 2017 verlor Italien 10-11 und 3-4 – Prado schlug, Cervelli schlug zurück, Escobar jubelte. Jetzt will der Coach Revanche, nicht nur sportlich.

Maduro, migranten und die macht des spiels
Während Caracas die Flagge schwingt, erinnert Cervelli an „SOS Venezuela“, das er 2019 hinter die Homeplate sprayte. Das Regime fiel, die Armut bleibt. Sein Roster ist ein Migrationsmanifest: 19 der 26 Profis verdienen MLB-Minimum, spielen aber für ein Budget von 50 Millionen Euro. Gegenüber steht ein Sternhimmel: Acuña NL-MVP 2023, Arraez Batting Champion, Lopez als Astros-Coach. Die Quoten liegen 4:1 gegen Italien – das verschärft nur den Kick.
Cervelli schickt Brayan Rocchio direkt vom Flughafen ins Line-up. Der Shortstop aus Caracas landet, schlägt, lächelt: „Jeder will jetzt Teil dieser Geschichte sein.“ Denn der Traum lebt: Wenn die Azzurri Venezuela ächten, wink am Dienstag ein Finale gegen USA oder Japan – und ein Del-Piero-Moment für einen Mann, der zwischen zwei Welten steht, aber nur eine liebt: die blau-weiße.
Er wird nicht fragen, ob er Ohtani lieber gehabt hätte. Er wird Luis Arraez mit einem Inside-Fastball begrüßen und dann mit dem Finger durch die Luft schnippen – so wie damals in Pittsburgh, als „That’s Amore“ durch das Stadion schallte. Denn wenn Cervelli gewinnt, schreibt er nicht nur Baseball-Geschichte, sondern auch Einwanderergeschichte. Und das ist schon jetzt der größte Sieg dieses Turniers.
