Ceferin platzt der kragen: var verwandelt fußball in lotterie
Aleksander Ceferin pfeift aus dem letzten Loch. Der UEFA-Präsident gestand gestern in Madrid, dass er die eigenen Regeln nicht mehr durchblickt – und das sollte uns alle alarmieren.
„Ich verstehe es selbst nicht mehr“
Der slowenische Funktionär stand auf der Bühne von „The Forum“, einer Investorenkonferenz des Atlético-Eigners Apollo Sports Capital, und ließ die Maske fallen. „Manchmal können die Fans die unterschiedlichen Regelauslegungen von Spiel zu Spiel nicht nachvollziehen – und ich verstehe sie. Ich verstehe es selbst nicht mehr“, sagte er. Die Arena verstummte. Denn wenn selbst der oberste Europäer den Durchblick verliert, ist das System krank.
Sein Lieblingsärgerkind: die Handspiel-Regel. „Niemand versteht das. Ist es ein Elfmeter oder nicht, ist es Absicht oder nicht? Wie soll man das wissen – man ist ja kein Psychiater!“ Der Lacher, den seine Pointe auslöste, wirkte verkrampft. Dahinter lauert die Erkenntnis, dass Millionen TV-Zuschauer jede Woche ratlos vor dem Bildschirm sitzen – und die Schiedsrichter mit ihnen.

10-Minuten-unterbrechungen sind keine ausnahme
Doch Ceferin stoppte nicht bei der Kritik. Er zielte auch auf jene Ligen ab, die den Video-Assistenten zur Endlosschleife verkommen lassen. „Nicht wie teilweise in La Liga oder der Premier League, wo Spiele zehn bis 15 Minuten unterbrochen werden“, wetterte der 58-Jährige. Die Lösung? Kurze Checks, klare Fehler, nichts weiter. So steht es im Lehrbuch des IFAB – und genau dort will der UEFA-Chef wieder ansetzen.
Einziges Problem: Die Schiedsrichter auf dem Platz behalten laut Regelwerk die Entscheidungsgewalt. Der VAR darf nur bei klaren und offensichtlichen Fehlern eingreifen. Doch was „klar“ ist, entscheidet sich in Millisekunden, in Kommandozentren, zwischen Köpfen voller Druck. Das Ergebnis: jene Willkür, die man mit dem Videobeweis eigentlich abgeschafft hatte.

Der countdown läuft
Die EM 2028 rückt näher. Wenn sich bis dahin keine Einigkeit darüber findet, was Handspiel ist und was nicht, steht ein Turnier bevor, das sich nicht mehr durch Tore, sondern durch Diskussionen definiert. Ceferins öffentliches Schuldeingeständnis ist der letzte Weckruf. Wer jetzt noch die Augen verschließt, verspielt das Vertrauen der Fans – endgültig.
Und das weiß auch der UEFA-Präsident. Sein Fazit fiel deshalb kurz und bitter: „Wir müssen die Regeln des IFAB konsequent anwenden.“ Mehr nicht. Doch genau diese Konsequenz fehlt seit Jahren. Solange sich jede Liga ihre eigene Auslegung erlaubt, bleibt der Fußball ein Glücksspiel – nur dass die Gewinner diesmal nicht die Teams mit den besseren Taktiken sind, sondern jene mit dem glücklicheren Video-Beweis.
