Castilla dreht auf: fortuny-doppelpack schlägt mutiges talavera k.o.
Pol Fortuny schlug zweimal zu, und plötzlich war die Bohrloche-Intensität von Talavera nur noch ein Echo. Castilla gewinnt 2:1 in El Prado und baut die Play-off-Position aus – trotz Rückstand und trotz 40 Grad Rasenhitze.
Talaveras erste halbzeit war ein aufstand, nicht ein spiel
Arturo Molina schubste Joan im Sprintduell beiseite – kein Pfiff, kein VAR – und Di Renzo vollendete nach zehn Minuten. Was folgte, war kein taktisches Schach, sondern ein Boxkampf auf 100 x 68 Metern. Edu Gallardo dirigierte wie ein Quarterback, Cuenca und Montero jagten jeden zweiten Ball. Castillas Versuch, über Cestero und Palacios durchs Zentrum zu kombinieren, endete regelmäßig in einem roten Wand aus Trikots. Mestre musste zweimal in den Winkel fliegen, um nicht schon vor der Pause zu kapitulieren.
Die einzige Antwort der Blancos vor dem Seitenwechsel kam von Fortuny: 22 Meter, halblinks, Volley – Belman flog, tippte mit den Fingerspitzen, lächelte. Die Nachspielzeit verstrich mit Pitu Doncels Hacke gegen Serranos Schienbein und mit Libertos Gelb wegen Meckerns. Die Uhr tickte, doch das Spiel schien irgendwo zwischen Mut und Selbstaufgabe stehen zu bleiben.

Castilla wechselt die gangart – und das tempo
Julián López de Lerma hatte offenbar die richtigen Worte parat. Rachad blieb in der Kabine, stattdessen forderte er Überzahl auf den Außen und Ordnung im Pressing. Die Wirkung war sofort sichtbar: Jacobo und Ciria frischten die Flügel auf, Fortuny rückte eine Linie tiefer und wurde zum Doppelfalse-Nine. In der 53. Minute nahm er einen abgefälschten Querpass, drehte sich um Sergi Molina und zog mit links ins lange Eck – 1:1, Ausgleich, Neuanfang.
Talavera wankte, aber wollte nicht fallen. Monteros Kopfball zischte knapp drüber, Di Renzos Dropkick landete auf Mestres Handschuhen. Die Antwort ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Jacobo sprintete auf links, zog zwei Gegner auf sich und legte quer – Fortuny stand blank, schob ein, drehte sich zum Gästeblock und wurde von 400 mitgereisten Ultras verschluckt. Die Absperrung bebte, ein Zaunflechtwerk kippte, niemand blieb sitzen.

Die zahlen, die bleiben
Castilla kassierte nach fünf Spielen nur einen Gegentreffer aus dem Spiel heraus, Fortuny steht bei zwölf Saisontreffern. Die Lücke zum dritten Platz beträgt weiter zwei Punkte, doch die Formkurve zeigt nach oben – und das ohne den gerade frisch gekrönten Youth-League-Sieger-Tross, der am Montag noch durch Madrid tingelte. Für Talavera bleibt der 19. Tabellenplatz, jetzt vier Zähler vom rettenden Ufer. Sandroni sprach von „Moral, aber keine Punkte“ – ein Satz, der am Ende die Saison zusammenfassen könnte.
Die Rückrunde ist kein Spaziergang, aber Castilla hat sich gerade eine Schippe Selbstvertrauen aufgeladen. Wer so spät noch dreht, der traut sich auch im Play-off den K.o.-Schlag. El Prado hat es gesehen – und wird es nicht vergessen.
