Cas kippt afrikas pokal-phantom-entscheidung – senegal droht der super-gau
Das Finale war gelaufen, die Trophäe im Koffer – doch zwei Monate später ist der Afrika-Cup 2026 wieder offen. Der Internationale Sportgerichtshof CAS bestätigte am Mittwoch die Berufung Senegals und setzt ein Schiedsgericht ein. Der eigentliche Pokalsieger steht damit erneut auf dem Prüfstand.
Marokko bekam den titel am grünen tisch – senegal den schock
Die Zahlen sind schnell erzählt: 1:0 nach Verlängerung für Senegal am 15. Januar in Rabat, 120 Minuten Power-Fußball, danach Ekstase. Dann kam die Wendung. Die marokkanische Delegation reichte Protest ein, weil vier senegalesische Profis in der 93. Minute demonstrativ vom Platz marschierten. Die CAF-Berufungskommission stufte das als „spielverweigerndes Verhalten“ ein und sprach Marokko nachträglich den Titel zu. Senegal ging vor den CAS – und bekam nun rechtliche Rückendeckung.
Die Begründung der Lausanner Richter ist knapp, aber brisant: Die CAF habe bislang lediglich das Urteil veröffentlicht, nicht aber die vollständige Urteilsbegründung. Ohne diese ist eine fundierte Verteidigung unmöglich. Deshalb genehmigte der CAS die Aussetzung der 20-Tage-Frist für die Berufungsschrift. Erst wenn die fehlenden Unterlagen liegen, beginnt der eigentliche Kampf um Afrika’s begehrteste Fußball-Skulptur.

Die uhr tickt – und mit ihr der weltverband
FIFA-Präsident Infantino drängt auf Klarheit, bevor die Auslosung für die Klub-WM 2027 erfolgt. Der afrikanische Verband wiederum fürchtet ein Präzedenzurteil, das künftige Turniere verwässern könnte. Denn wenn Spielunterbrechungen nachträglich zum Titel führen, wäre jedes Finale manipulationsanfällig. Die CAF steht vor dem Scherbenhaufen ihrer eigenen Regelwerke.
Für Senegal geht es um mehr als Pokalplättchen: Der Verband verliert rund 4,5 Millionen Dollar Prämie, dazu Startgelder für die Klub-WM und Marketingboni aus globalen Partnerverträgen. Die Spieler um Kapitän Koulibaly drohen mit Imageschäden, weil ihre sportliche Leistung juristisch in Frage steht. Und die Fans? Die stehen zwischen Jubel und Verarschung – und fragen sich, ob Fußball noch ein Sport oder schon ein Gerichtskrimi ist.
Der CAS will nun innerhalb von zehn Tagen ein dreiköpfiges Schiedsgericht berufen. Termin für die mündliche Verhandlung: voraussichtlich Juni. Dann entscheiden drei Juristen über den Titel, den keiner so richtig in den Händen hält. Senegal rechnet sich gute Chancen aus – schließlich war die Mannschaft auf dem Platz die klar bessere. Marokko setzt auf das Regelwerk, das Spielunterbrechungen ahndet. Beide Seiten wissen: Verlierer ist am Ende der afrikanische Fußball, weil ein Finale, das nachträglich umgeschrieben wird, kein Finale mehr ist.
Die Trophäe steht derweil im CAF-Hauptquartier in Kairo – mit noch keinem Namen eingraviert. So schnell wird sich das nicht ändern. Der CAS kündigte an, „größtmögliche Transparenz“ zu wahren, schob aber gleich einen Satz hinterher, der die Realität trifft: „Ein konkretes Datum für die Entscheidung kann derzeit nicht genannt werden.“ Die einzige Gewissheit: Am 15. Juni findet ohnehin das nächste Afrika-Cup-Quali-Spiel statt – und die Teams wissen immer noch nicht, wer eigentlich der amtierende Champion ist.
