Carolina marín wirft das feder weg – spaniens badminton-queen geht mit knie und tränen

Keine Schleife, keine letzte Pirouette. Carolina Marín hat am Donnerstagmorgen per Video-Botschaft vom Trainingszentrum in Huelva erklärt, dass sie mit sofortiger Wirkung die Wettkampfschuhe an den Nagel hängt. Der Grund: Ihr linkes Knie, drei Mal operiert, einmal mit Kreuzbandriss, zweimal mit Meniskus-Flicken, signalisiert endgültig Streik.

Die 31-Jährige hätte eigentlich in genau einer Woche im Carolina Marín Pavilion – dem Hallenkomplex, der ihren Namen trägt – bei der Europameisterschaft vor heimischem Publikum ihr Karriere-Aus zelebriert. Stattdessen wird sie nur als Zuschauerin auf der Tribüne sitzen, dafür aber am Samstagabend ein Abschiedsspiel bestreiten, bei dem sich Zeitlupen ihrer Sprung-Smashs über die Leinwand jagen.

Palmarès, der in zahlen glüht

Olympia-Gold Rio 2016, drei WM-Titel, sieben EM-Kränze, 37 Turniersiege im World-Tour-Format – keine Spanierin hat je eine individuelle Racketsportart so dominiert. Ihre Einnahmen allein aus Preisgeld: 1,2 Millionen Euro, dazu kommen lukrative Sponsoringverträge mit Adidas und Iberdrola. Doch die Rechnung, die sie jetzt präsentiert, ist kürzer: „Mein Körper verlangt nach Stopp, und ich gehorche“, sagt sie mit zitternder Stimme.

Der Verband RFEB postete binnen Minuten ein Schwarz-Weiß-Foto aus der Kabine von 2014, als sie als erste Europäerin die WM in Kopenhagen gewann. Die Kommentar-Spalte kochte: 42 000 Herzen, 18 000 Tränen-Emojis, ein digitales Denkmal in Echtzeit.

Was bleibt, ist ein knie voller narben und ein ganzes land voller idole

Was bleibt, ist ein knie voller narben und ein ganzes land voller idole

Spanish Sports Council kündigte an, die Halle in Huelva künftig als Elite-Campus umzubauen, mit einem „Marín-Saal“, in dem Nachwuchsspieler an einer 1:1-Wand montierte Schläger halten, die exakt ihre Schlaggeschwindigkeit von 318 km/h markieren. Die Zahl ist eingraviert – so wie ihre Siege im kollektiven Gedächtnis des Landes.

Am Sonntag wird sie das zentrale Court-Banner herunterziehen, sich in die Mitte knien und ein letztes Mal den Löwengruß zeigen – drei Finger zur Faust, eine Geste, die spanische Fernsehsender seit Jahren als Nachrichten-Intro laufen lassen. Dann verschwindet sie durch den Katakomben-Tunnel, Racket im Koffer, Kniebandage im Müll. Die Ära Carolina Marín ist vorbei, das Beben bleibt.