Carmen castillón besiegt lungeninfarkt – und jetzt auch gegnerinnen in rom
Carmen Castillón weint nicht, sie fließt. Zwischen den Tränen schlüpfen Worte wie Rettungsringe: „Ich atme wieder, ich spiele wieder, ich lebe.“ Gerade hat die 24-jährige Spanierin beim Italy Major ihr drittes Match in Serie gewonnen – ein Jahr, nachdem mehrere Lungeninfarkte sie an den Rand des Abgrunds brachten.
Ein körper, der streikte
Die Geschichte beginnt nicht in Rom, sondern in einem Flugzeug über dem Atlantik. Castillón pendelte damals zwischen Turnieren, schlief sitzend, schluckte Hormone – und zog sich eine Thrombose wie einen unsichtbaren Fallschirm hinterher. Die Schmerzen in Brust und Rippen fühlten sich zuerst wie Muskelkater an, dann wie ein Messer. Diagnose: Lungenembolie. Mehrfach. Sieben Mal wurde sie ins Krankenhaus eingeliefert, verlor elf Kilo, brach sich einen Zeh, erlitt Infektion auf Infektion. „Ich wollte nur meine Mama schützen“, sagt sie leise.
Die Ärzte sprachen von Karriere-Ende. Castillón hörte stattdessen den Satz ihrer Großmutter: „Die besten Schlachten bekommen nur die besten Krieger.“ Tagelang konnte sie nicht laufen, geschweige denn sprinten. Also trainierte sie mit Blickkontakt – starrte auf Bilder des Foro Italico, bis die Bettkanten wie Banden wirkten.

Rückkehr mit bauchschmerzen
Montag früh, 6:14 Uhr, Hotelzimmer Rom. Castillón wacht mit stechenden Bauchschmerzen auf. Der Arzt des Premier-Padel-Circuits tastet ab, murmelt „Appendizitis“, fährt zur Klinik. Zwei Stunden später steht sie trotzdem auf Court 3, lacht, schlägt Winner, fällt sich in die Arme ihrer Doublespartnerin. „Das war keine Eröffnung, das war ein Befreiungsschlag“, sagt sie nach dem 6-4, 7-6.
Die Stimme bricht, wenn sie an die Halluzinationen zurückdenkt: „Ich lag da, konnte nicht atmen, und meine Mutter fütterte mich mit dem Löffel wie ein Baby.“ Jetzt spuckt sie stattdessen Bälle über die Schulter, serviert wie früher, läuft mehr als vorher – dank neuer Lungenkapazität und alter Geduld.

Was bleibt
Am Mittwoch wartet das Achtelfinale gegen Lucía Sainz und Jan Montes. Für Castillón ist es bereits irrelevant. „Ich habe gewonnen, weil ich geatmet habe“, sagt sie und zieht sich die Kappe ins Gesicht. Hinter ihr flimmern die Lichter des Foro Italico wie eine Lunge aus Neonröhren. Sie trägt keine Preisgeldbörse, sondern ihr Zuhause auf der Haut: ein Tattoo, das die Atemwege zeichnet – Erinnerung an das, was sie fast zerquetschte, und an das, was sie nie mehr loslassen wird. „Das ist kein Comeback. Das ist eine zweite Geburt.“
Sie geht zum Physio, die Tränen trocknen auf den Wangen. Draußen summt Rom, und irgendwo in Málaga schläft ihre Großmutter – wahrscheinlich mit einem Lächeln, das 1.700 Kilometer weit reicht.
