Capello zieht nach playoff-sieg die premier-league-trümpfe: tonali und calafiori versetzen italien in einen anderen gang
Mailand – Die Italiener haben den ersten Hürdenlauf hinter sich, doch Fabio Capello schaut schon auf den nächsten Gegner. Nach dem 2:0 gegen Nordirland schaltet er auf Mentoren-Modus und schickt zwei Premier-League-Joker ins Rennen: Sandro Tonali und Riccardo Calafiori. „Die beiden spielen in einem anderen Takt“, sagt er am Rande des Playoff-Triumphs. „Premier-League-Rhythmus nennt man das.“
Capello erkennt tempo-lücke – und einen stürmer ohne make-up
Was dem 78-Jährigen fehlt, ist nicht der Sieg, sondern die Geschwindigkeit. „Uns fehlt Tempo“, präzisiert er. „Nicht physisch, sondern im Kopf.“ Dafür habe er Pio Esposito entdeckt, 20, CFC-Genoa, gerade mal 18 Oberliga-Einsätze. „Ein echter Spieler“, sagt Capello und meint damit: kein Instagram-Phänomen, sondern einer, der im Strafraum noch das Leder sieht, bevor der Gegner die Kamera richtet. Esposito soll den Angriff komplettieren – und die Lücke füllen, die ein verletzter Scamacca hinterlässt.
Die Zahlen sprechen für sich: Italien kam gegen Nordirland auf 63 Prozent Ballbesitz, aber nur zwei Torschüsse aus dem Zentrum. Die Statistik lügt nicht, sie flüstert: Es mangelt an Durchschlagskraft. Genau dort setzt Capello auf den jungen Genuaer, der in der Serie B schon 13-mal traf und laut Scouting-Reports 28 Prozent seiner Zweikämpfe im Luftduell gewinnt – ein Wert, den sonst nur Innenverteidiger erreichen.

Bosnien droft – und mit ihm die letzte chance für marcello lippi’s erben
Mittwoch in Zenica geht es um das Ticket für die WM 2026. Die Bosnier haben gegen Ukraine gewonnen, dabei aber zwei Gelb-Rot-Karten kassiert. Italiens Staff klaut mit Tablet und GPS-Daten Feinheiten: Wer schießt aus welcher Zone? Wer verliert nach der 70. Minute den Faden? Die Antwort liegt in den Beinen von Tonali, der in Newcastle 33,2 km/h Spitze lief – schneller als jeder Mitspieler im Playoff-Kader.
Capello schließt mit einem Seitenhieb auf die eigene Liga: „Wenn unsere jungen Spieler in Italien bleiben, lernen sie, den Ball zu hüten. Wenn sie nach England gehen, lernen, ihn zu jagen.“ Die Pointe: Beides braucht Italien, wenn es in drei Jahren in den USA, Mexiko und Kanada nicht wieder im Gruppenstadion versinken will. Die Uhr tickt. Die Flugmaschine nach Sarajewo startet in 36 Stunden. Mit an Bord: ein 20-Jährischer Stürmer, der noch kein einziges Länderspiel-Trikot besitzt, aber schon das Tempo-Gerücht der Nation in seinem Sprintbein trägt.
