Capello zieht bilanz: psychologie entscheidet das duell gegen bosnien
Fabio Capello kennt die Szenerie. 72 Stunden vor Bosnien – Italien packt er die Angst. «Spielt wie im Training», sagte er gestern in Milano. Mehr nicht. Denn wer denkt, verliert.
Der ehemalige Real-Coach erinnert sich an das letzte Liga-Spiel 2007. Maiorca führte zur Pause 1:0, seine Stars erstickten an der eigenen Erwartung. «Ich sah internationale Profis, die plötzlich nicht mehr laufen konnten», sagt er. Die Lösung: ein Satz, keine Taktik-Tafel. Resultat: 3:1, Meisterschaft.

Gattuso muss ketten sprengen
Jetzt steht Luca Gattuso vor derselben Aufgabe. Das Gelände in Zenica gilt als Katastrophe: schmale Seiten, schlechte Drainage, ein Rasen, der eher an Kuhweide erinnert. «Das Feld benachteiligt uns», sagt Capello offen. Doch er fordert: «Trotzdem die riskante Lösung suchen.»
Die Statistik gibt ihm recht. Seit 2021 gewann Italien nur zwei von sieben Auswärtsspielen in der Quali. Die Tore: magere sechs. Das Problem liegt nicht im System, sondern im Kopf. «Wir sind stärker, aber wir spielen, als wären wir es nicht», sagt Capello.
Die Folge: ein Team, das sich selbst blockiert. Bei den European Qualifiers schoss Italien nur 0,9 Tore pro Spiel – schlechtester Wert seit 1958. Capello sieht die Ursache im «Overcoaching». Zu viele Informationen, zu viel Angst vor Fehlern. «Ein Spieler, der denkt, ob er laufen soll, ist schon zu spät dran», sagt er.
Sein Rezept: Reduktion. Keine Videos am Frühstückstisch, keine anonyme Statistiken in der WhatsApp-Gruppe. Stattdessen: Freiraum. «Wenn Chiesa dribbelt, soll er nicht an die Nerven von 60 Millionen Italiener denken, sondern an den Sechzehner von Zenica.»
Die Uhr tickt. In 48 Stunden entscheidet sich, ob Italien nach zwei verpassten Weltmeisterschaften wieder nach Katar will. Capello glaubt an den Klassiker der Psyche: «Der Gegner spürt, wer frei ist.» Wer zittert, bekommt den Gegentreffer. Wer spielt, bekommt das Tor.
Für Gattuso heißt das: kein taktisches Kauderwelsch in der Kabine. Stattdessen eine einzige Botschaft: «Ihr seid besser – beweist es.» Dann wird auch das schlechte Feld zum Nebenschauplatz.
Ende der Geschichte: Entweder fliegt Italien wieder nach Hause. Oder Capello kriegt recht. Und die Mannschaft lernt, dass Größe nicht im Rasen liegt, sondern im Kopf.
