Canepa ruft nachtsitzung: fcz-coach hediger steht mit rücken zur wand
02:17 Uhr, Dienstag. Im dritten Stock des Schanzengraben 41 brennt noch Licht. Drinnen sitzt Heliane Canepa, ihr Mann Ancillo wedelt mit den Arbeitszetteln, und vor ihnen: Dennis Hediger, bleich, ohne Sakko, als hätte er schon gewusst, dass dieser Abend das Ende oder die Zäsur bedeuten könnte.
Die Geheimniskrämerei war sinnlos. Innerhalb von Minuten wusste jeder Trainer im Grossraum Zürich Bescheid: Der FCZ, einst stolzer Europacup-Gast, hat die Geduld verloren. Vier Niederlagen nacheinander, sieben Punkte aus elf Runden – das ist kein Formtief mehr, das ist freier Fall. Und freier Fall fordert Köpfe.
Die zahlen, die niemand mehr schönreden kann
Seit Jahresbeginn 2026: zwei Siege, ein Remis, acht Pleiten. Die einzige Konstante: Der Ball landet im Netz des eigenen Tors. Die Statistiker fanden ein weiteres Detail, das selbst die letzten Optimisten verstummen lässt: Der FCZ gewinnt gerade einmal 38 % der Zweikämpfe – Schlusslicht der Super League. Wer so wenig Zweikämpfe gewinnt, hat kein Recht auf höhere Plätze.
Intern brodelt es. Ein Teil der Verantwortlichen wirft der Mannschaft „fehlenden Einsatz“ vor. Das klingt nach Standardfloskel, ist aber ein Einschätzung, die bis in die Kabine durchgesickert ist. Kollege gegen Kollege. Der eine sagt: „Wir rennen, aber wir rennen planlos.“ Der andere kontert: „Wir rennen überhaupt nicht.“

Hedigers selbstschutz missfällt den bosse
Nach dem 1:2 in Sion nahm Hediger seine Profis in Schutz: „Voller Einsatz, unglücklich verloren.“ Diese Rhetorik stösst den Clubbossen sauer auf. Sie wollen keine Schuldzuweisungen ans Schicksal, sondern eine klare Ansage. Wer nicht läuft, fliegt. Wer nicht tackelt, sitzt. Wer nicht trifft, trainiert morgens allein.
Carlos Bernegger, Co-Trainer und Ex-Nationalspieler, soll laut Teilnehmerbericht während der dreistündigen Krisensitzung kaum ein Wort gesagt haben. Stattdessen habe er immer wieder auf sein Handy gestarrt – als suche er nach einer besseren Lösung oder einem besseren Job.

Am samstag droht die demontage
Gegner: FC Thun, Tabellenführer, designierter Meister. Ort: Letzigrund, 17.30 Uhr. Für Hediger ist es das Spiel seines Lebens. Verliert der FCZ, rutscht er auf den Relegationsplatz. Dann winkt nicht nur die Play-out-Hölle, sondern eventuell auch die Entlassung. Der Coach, der einst selbst für Thun auflief, weiß: „Ein Sieg gegen meinen Ex-Verein würde alles umkrempeln.“ Aber er weiß auch: Thun hat in den letzten fünf Partien 14 Tore geschossen und kassierte kein einziges.
Die Canepas haben Hediger kein Ultimatum gestellt – offiziell. Inoffiziell heisst es: „Er muss punkten.“ Punkt. Kein Komma, kein Aber. Die Spieler bekamen die Parole: „Wir sind alle auf dem Präsentierteller.“ Wer jetzt nicht läuft, bekommt die Quittung nicht erst im Sommer, sondern am Montag.
Der FCZ will „geschlossen und entschlossen“ handeln. Die Wahrheit: Der Klub zittert vor dem eigenen Publikum. Die Letzigrund-Kurve hat schon Drohungen via Social Media kursieren lassen: „Samstag wird es brennen – und zwar nicht nur Bengalos.“ Die Stadt Zürich hat bereits verstärkte Sicherheitskräfte zugesagt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Partie am Ende unter Flutlicht steht, weil die Polizei lieber bei Dunkelheit kontrollieren kann.
Die Stunde der Wahrheit rückt näher. Für Hediger. Für die Mannschaft. Für einen Traditionsklub, der sich selbst gerade traditionell abräumt. Entscheidend ist nicht mehr, wer schuld ist. Entscheidend ist, wer Samstag endlich mal den Ball wegspielt statt ins eigene Tor.
