Candela enthüllt: wie totti und gasperini rom wieder vereinen
Vincent Candela lässt den Blick schweifen über das Terrassenlicht der Trastevere und lacht kurz. „Francesco und Gian Piero? Die haben sich selbst eingeladen, ich war nur der Türöffner.“ Mit einem Satz rückt der Weltmeister von 1998 das millionenfach diskutierte Abendessen in ein anderes Licht: keine geschäftliche Mission, sondern Freunde, die nach 25 Jahren endlich wieder an einem Tisch sitzen wollten.
Der abend, der roms machtgefüge verschiebt
Seit Wochen kursierten Gerüchte über ein „Regista della cena“. Doch Candela wischt das mit einer Handbewegung beiseite. „Regista? Quando mai! Die beiden haben sich selbst die Menüfolge diktiert.“ Dabei war der Franzose keineswegs nur Gastgeber. Seit Januar arbeitet er offiziell für die Roma, fungiert als Kulturbrücke zwischen der Friedkin-Ära und der Glorie von 2001. Seine Aufgabe: „Roms DNA wieder sichtbar machen.“
Die Botschaft des Abends ist längst angekommen. Totti, seit drei Jahren außen vor, soll zurück – nicht als Maskottchen, sondern mit echtem Einfluss. Candela formuliert es vorsichtig: „Francesco ist kein Mitarbeiter, er ist ein Patrimonio. Wenn die Roma ihn ruft, wird er antworten. Die Frage ist nur, welche Frage man ihm stellt.“

Gasperinis geheimformel: aus 5 mach 9
Während die Stadt über Totti spekuliert, hat Candela längst die wahre Revolution benannt: „Gian Piero verwandelt einen Fünf-Millionen-Typen in einen Neuner. Das ist kein Coaching, das ist Alchemie.“ Er zieht die Zahl 5-7-9 in die Luft, als wäre es ein Pass im Strafraum. „Früher haben wir Spieler geholt, um sie zu enttäuschen. Heute holt er welche, um sie zu verwandeln.“
Beispiel Malen: „Der Junge zieht drei Gegner auf sich, und plötzlich hat El Shaarawy 20 Meter Freiraum. Das ist keine Taktik, das ist Physik.“ Problem: Mit Dybalas erneuter Verletzung fehlt wieder der Spielmacher. Candela zuckt mit den Schultern: „Wenn dein Ferrari in der Werkstatt steht, fährst du eben mit dem Alfa – aber Tempolimit gibt’s trotzdem nicht.“

Champions league? erstmal tram nach trigoria
Die Roma liegt vier Punkte hinter der Vierten, doch Candela warnt vor Euphorie. „Wir haben seit 2018 kein Champions-League-Fußball mehr gespielt. Da reicht kein Sprint, da braucht’s ein Marathon.“ Der Schlüssel sei nicht der Kalender, sondern der Kopf. „Gasp hat uns gelehrt, dass 0:0 kein Ergebnis ist, sondern eine Zeitform. Wenn du in der 80. Minute noch presst, wird aus 0:0 irgendwann 1:0.“
Und Totti? Candela grinst, zieht an seinem Espresso und schiebt die Tasse beiseite. „Francesco wird zurückkommen, wenn er merkt, dass die Roma nicht mehr nur ein Verein ist, sondern wieder ein Projekt. Bis dahin trinkt er seinen Kaffee – und wir unseren. Aber wenn er sich aufrichtet, bebt der Tevere.“
