Campregher stürzt in vikersund: ex-top-ten-springer schwer verletzt

Ein Schlag ins Gesicht der Skiflieger. Andrea Campregher, 24, einst WM-Elfmter, raste beim Test auf der Kulm-Schanze von Vikersund nach 80 Metern mit der linken Schulter auf die Piste und blieb reglos liegen. Der Italiener hatte seine Laufbahn erst 2025 beendet – nun liegt er im Drammen-Sykehus, und die Organisatoren ziehen die Notbremse.

So dramatisch verlief der unfall

Donnerstag, 10.42 Uhr Ortszeit. Zweiter Testsprung, Wind aus Südwest, 1,8 m/s Seitenböe. Campregher verliert unmittelbar nach dem Absprung die Kontrolle, der linke Ski hebt ab, der Körper kippt nach vorn. 80 Meter später knallt er auf die harte Weiße, ein Ski bohrt sich wie ein Speer in den Hang, der andere rutscht bis ins Aus. Rettungskräfte sind nach 27 Sekunden an seinem Körper, der 24-Jährige kann sich setzen – ein kleines Zeichen, das Hoffnung macht.

Anders Kvaase, Kommunikationschef der Veranstaltung, bestätigt gegenüber NRK lediglich den Sturz und verweist auf laufende Untersuchungen. Die FIS schaltet sofort das Medical-Team ein. Sandro Pertile, Renndirektor der FIS, gibt Entwarnung auf Abruf: „Er war ansprechbar, die Ärzte sind vorsichtig optimistisch.“

Campreghers zweites leben als testpilot

Campreghers zweites leben als testpilot

Nach seinem Karriereende hatte sich Campregher als Kulm-Tester engagiert – ein Job, der kein Helmkamera-Hype, sondern Präzisionsarbeit ist. Er kannte jede Anfahrt, jeden Windkanal, jede Kante der 240-Meter-Schanze. Genau deshalb schmerzt der Vorfall doppelt. Bereits im ersten Testsprung hatte er eine Notlandung vollzogen, als Böen ihn durchschüttelten. Drei Stunden später der zweite Versuch – und das Schicksal schlägt zu.

Die Zahlen sind hart: seit 2019 zählte die FIS sieben schwere Tester-Unfälle auf Großschanzen, zwei endeten mit Wirbelsäulenverletzungen. Die Sicherheitskommission hatte erst im Februar neue Wind-Limiten beschlossen – Vikersund gilt als Grenzfall.

Weltcup steht unter zugzwang

Weltcup steht unter zugzwang

Am Wochenende soll die 200-Meter-Marke fallen, die Frauen wiegen sich auf Rekordjagd. Doch jetzt steht der Sport vor einem Dilemma: Fliegen trotz Risiko oder Testabbruch und Millionen-Einnahmen verschenken? Die Athleten sind verunsichert. „Wir springen nicht gegen unsere Gesundheit“, sagt ein deutscher Teamcoach, der anonym bleiben will. Die Entscheidung fällt am Freitagmorgen nach einer Krisensitzung von FIS und Organisatoren.

Campreghers Familie ist unterwegs nach Drammen. Sein Bruder Luca postet ein Foto der verbeulten Skibindung – ein stummer Schrei. Die italienische Skisprung-Föderation RAI will noch heute Nacht einen Arzt einschiffen, der die CT-Auswertung begleitet.

Die Vikersund-Bakken gilt als schnellste der Welt, die Flugkurve als waghalsig. Wer hier testet, spielt mit dem Feuer – und manchmal gewinnt das Feuer.