Bvb-machtprobe: schlotterbeck, ricken und eine entscheidung bis märz

Bei Borussia Dortmund läuft gerade eine stille Machtprobe ab – und die hat weniger mit Toren zu tun als mit Verträgen, Vertrauen und der nackten Frage, wer beim BVB eigentlich das Sagen hat. Im Mittelpunkt steht Nico Schlotterbeck, 26 Jahre alt, Nationalspieler, formtechnisch zuletzt alles andere als überzeugend. Und trotzdem soll er das Gesicht der Zukunft werden. Bis Mitte März will er entscheiden, ob er seinen Vertrag über Sommer 2027 hinaus verlängert. Fast die gesamte Führungsriege will persönlich dabei sein, wenn es so weit ist.

Schlotterbeck wackelt – und die bosse wackeln mit

Was auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Vertragspoker aussieht, ist in Wahrheit ein Dominoeffekt. Denn die Verträge von Sport-Geschäftsführer Lars Ricken und Sportdirektor Sebastian Kehl laufen ebenfalls bis Sommer 2027. Eine Verlängerung mit Schlotterbeck wäre für beide mehr als ein sportliches Signal – es wäre ein Beleg, dass sie den Kader zusammenhalten können. Und genau das bezweifeln intern nicht wenige.

Das frühe Pokal-Aus. Das Champions-League-Desaster. Diese beiden Ergebnisse hängen Ricken wie ein nasses Hemd. Der Präsidialausschuss rund um Präsident Hans-Joachim Watzke will sich bei Ricken nicht festlegen. Die interne Botschaft ist eindeutig: Er muss liefern. Kaderplanung, Vertragssicherung, sportliche Ausrichtung – all das fällt in seine Verantwortung. Der Eindruck, dass der Kader nicht immer höchsten Ansprüchen genügt, war zuletzt hartnäckig genug, um ernsthaft Spuren zu hinterlassen.

Was für ricken spricht – und was gegen ihn

Was für ricken spricht – und was gegen ihn

Fairerweise muss man sagen: Ricken hat seit seinem Amtsantritt im Mai 2024 unbequeme Entscheidungen nicht gescheut. Die Trennung von Trainer Nuri Sahin und Kaderplaner Sven Mislintat setzte er durch, auch wenn es intern Gegenwind gab. Standards-Trainer Alex Clapham musste nach Beschwerden gehen – seitdem tritt der BVB bei ruhenden Bällen spürbar gefährlicher auf. Das sind keine Kleinigkeiten.

Aber Entschlossenheit bei Personalentscheidungen ersetzt keine sportliche Substanz. Die Sommervorbereitung wird zeigen, ob Ricken wirklich Ideen mitbringt oder nur verwaltet. An seiner Zukunft hängt auch die von Kehl, dessen Vertrag Ricken selbst vor rund einem Jahr verlängert hat. Beide müssen jetzt als Team funktionieren – intern soll ihre Abstimmung zuletzt deutlich besser geworden sein. Ob das reicht, wird der Markt entscheiden.

Cramer und treß: hier ist die lage klar

Cramer und treß: hier ist die lage klar

Ganz anders sieht es bei Marketing-Boss Carsten Cramer und Finanz-Geschäftsführer Thomas Treß aus. Bei Treß gibt es intern kaum Zweifel an einer Fortsetzung. Und Cramer? Der Präsidialausschuss will laut Sport BILD im Herbst tagen – mit dem klaren Ziel, seinen Vertrag zu verlängern. Die Zahlen geben ihm recht: In vier Jahren stiegen die Werbeeinnahmen von rund 106 Millionen Euro auf 153 Millionen Euro. Die Cifre spricht für sich.

Cramer und Watzke arbeiten eng zusammen, professionell, ohne öffentliches Reiben. Das ist in einem Klub, in dem die Gerüchteküche selten abkühlt, schon fast ein Alleinstellungsmerkmal.

Der märz wird alles zeigen

Der märz wird alles zeigen

Schlotterbeck entscheidet bis Mitte März. Ricken und Kehl präsentieren ihre Sommerpläne. Der Präsidialausschuss beobachtet. Beim BVB laufen gerade alle Fäden in denselben Wochen zusammen – und wer dann nicht liefert, wird das in Dortmund noch lange spüren.