Bvb knöpft sich reggiani fest: debüttor wird zur langzeitwaffe
Luca Reggiani schlug in 14 Minuten zweimal ein: erst das Tor, dann den Vertrag. Nach seinem Premierentreffer am Wochenende gegen Augsburg unterschreibt der 18-jährige Italiener beim BVB langfristig – oben ohne Laufzeit genannt, unten mit Geldbeutel dick gefüllt.
Ricken liefert die emotionalte begründung
„Wir waren von Lucas Fähigkeiten total überzeugt, als wir ihn vor rund zwei Jahren für uns begeistert haben“, sagt Lars Ricken, der als Sport-Geschäftsführer diese Woche die Klubstube betritt und sofort den Stift schwingt. Die Ablöse für den Stürmer von Sassuolo belief sich damals auf eine niedrige sechsstellige Summe, das Investment zahlt sich nun doppelt aus: Champions-League-Debüt am 12. Februar, Bundesliga-Tor am 16. März, Profivertrag am 21. März. Drei Schritte in 38 Tagen – das ist Tempo nach Dortmunder Manier.
Sebastian Kehl, Sportdirektor mit Blick auf die Zukunft, spricht in dieselbe Kerbe: „Tolle Anlagen, eine Menge Qualität und noch viel Potenzial.“ Das klingt nach Standardfloskel, ist aber ein Codewort. Potenzial bedeutet im BVB-Jargon: Noch nicht Bundesliga-reif für 90 Minuten, aber schon zu wertvoll, um ihn ziehen zu lassen. Reggiani lief bisher nur 67 Minuten Bundesliga, reichte aber für zwei Torschüsse, eine Torbeteiligung und einen Platz in den Startelfplänen von Nuri Şahin.

Warum der vertrag jetzt kommt und nicht später
Jedes Top-Talent in Europa bekommt momentan Anrufe. Chelsea schickt Scout-Flüge nach Mailand, Paris schaltet Werbeclips auf TikTok, Leipzig plant den nächsten Coup. Borussia Dortmund dagegen schaltet früher als alle anderen. Die Logik: Ein 18-Jähriger mit erst einem Profitor ist noch günstig zu binden, weil die Leistung Kurve steil nach oben zeigt, die Gehaltsforderungen aber noch human sind. In zwölf Monuten könnte derselbe Spieler doppelt so teuer sein – und das weiß auch Reggiani.
„Ich bin sehr, sehr glücklich. Als ich vor zwei Jahren zum BVB gekommen bin, war es mein Traum, im Signal Iduna Park zu spielen“, sagt er mit diesem leicht singenden Italo-Akzent, der die Ruhrpott-Tribüne schon bei Mario Götze und Cristiano Pipita verliebt hat. Der Junge trägt die Haare zurückgegelt, die Stollen noch mit Rasenresten vom Sonntag, und lacht in die Kameras, als hätte er eben seinen Führerschein und den Jackpot im Lotto gleichzeitig gewonnen.

Was die zahlen verschweigen
Der BVB verrät keine Vertragslaufzeit, doar interne Kreise tuscheln von 2029 plus Option. Gehalt: knapp über der Nachwuchsstufe, aber mit Bonusschiene, die bei 25 Bundesliga-Einsätzen sofort springt. Die Klausel: keine Ausstiegsklausel unten 40 Millionen Euro. Das ist clever, denn der Markt preist Talente gerade wie Bitcoin im November 2021.
Trainer Nuri Şahin plant ihn schon für den Pokalhalbfinale-Einsatz. Gegen Augsburg durfte Reggiani links außen starten, zog halblinks in den Strafraum und vollstreckte mit links. Seine Schussquote: 50 Prozent – zwei Schüsse, ein Tor. Kleine Stichprobe, große Signalwirkung.
Die Konkurrenz im Kader: Adeyemi, Malen, Bynoe-Gittens, Duranville, alle schneller, aber keiner jünger. Reggiani bringt etwas, was diese Woche auf dem Trainingsplatz auffiel: eine Art Spielverlagerung per Laufduell. Zweikampf gewonnen, sofort Kopf hoch, diagonal in die Schnittstelle. Das ist keine 08/15-Talentschiene, das ist ein Profi-Impuls, der sich in die Excel-Tabellen von Kehl & Co. eintragen lässt.
Am Freitagmittag unterschrieb er, am Freitagnachmittag schon wieder auf dem Platz. Die nächste Einheit startet in 45 Minuten, und Reggiani packt seine Stiefel aus, als wäre nichts gewesen. Dabei ist eben alles passiert: Traumtor, Traumvertrag – und der Traum, irgendwann einmal in Turin aufzulaufen, wo er als Kind Juve anfeuerte, ist jetzt ein Stück wegter. Aber das weiß er noch nicht. Heute zählt nur: Morgen um 10 Uhr weitermachen, sonst macht es ein anderer. Der BVB hat gelehrt, dass Talent ohne Trainingsfleiß nur teures Deco ist. Reggiani scheint das verstanden zu haben.
Der Club veröffentlicht ein Foto: Der Junge steht vor der Südtribüne, ein Bein auf dem Ball, die Arme ausgebreitet, als wolle er das Stadion umarmen. Im Hintergrund der geschwungene Schriftzug: „Realität wird hier geschrieben.“ Für Luca Reggiani war es diesmal ein Tor und ein Vertrag. Die Realität schreibt schneller in Dortmund als anderswo. Nächstes Kapitel: Samstag, Wolfsburg. Dann darf er beweisen, dass das erste Tor kein Zufall war – und dass der langfristige Vertrag keine Lotterie, sondern eine Investition in Zukunft ist, die sich rechnet. 67 Bundesliga-Minuten, ein Tor, unendlich viele Möglichkeiten. Die Zahl lautet: 18 Jahre alt. Und die Uhr tickt nicht, die läuft.
