Bulega jagt den nächsten rekord: superbike-kracher in most steht bevor
Nicolò Bulega rollt nach Most, als hätte er den Titel schon eingepackt. 16 Siege in Serie, 248 Punkte nach vier Runden – die Zahlen klingen wie aus einem Playstation-Modus. Doch die Jäger sind witend, die Maschinen heiß abgestimmt und die tschechische Piste berüchtigt für kalte Reset-Knöpfe.
Der italiener und die 37 grad asphalt
Die Ducati Panigale V4 R spuckt 250 PS aus und trägt noch die Hitze von Balaton in den Reisen. Bulega braucht sie, denn Most ist kein Geschenk: 4,2 km, 21 Kurven, ein 790-Meter-Start-Ziel-Sprint, wo die Brembo-Scheiben knallrot aufleuchten. 2025 gewann er hier nur einmal, die anderen Ginge rissen Razgatlioglu und Petrucci an sich. Eine Statistik, die ihn in der Box wach liegen lässt.
Hinter ihm lauert der perfekte Zweitplatzierte: Iker Lecuona, neunmal Zweiter in Folge, so konstant wie ein Schweizer Uhrwerk und so hungrig wie ein Wolf, der seit Monaten nur Schnitzelgeruch riecht. Teamchef Serafino Foti drohte scherzhaft: „Wenn er Samstag wieder zweimal Zweiter wird, gibt es Wodka statt Champagner.“

Italiens armada zwischen hoffnung und frust
Die Tricolore flattert wild in der Boxengasse. Yari Montella (Barni-Ducati) fühlt sich auf der Long-Run-Abstimmung endlich „nicht mehr wie ein Surfbrett auf Kies“, Lorenzo Baldassarri (GoEleven) schraubt Motorbrücken, die ihm mehr Traktion in den engen U-Schikanen geben sollen. Axel Bassani dagegen schwört, dass seine Bimota „nicht mehr das Gleiche tut seit Mugello“, und wirft der Elektronik einen schlechten Tag vor.
Überraschende Wolke am Horizont: Alberto Surra. Der Riminese raste in Balaton erstmals in die Top-5 und bekam direkt ein Angebot für eine Werks-Testfahrt mitgebracht. „Ich will kein Testpilot, ich will Samstag um 14:00 Uhr von Reihe zwei starten“, sagt er und grinst dem Druck entgegen.
Verletzte stars, einsame ersatzmänner
Die Box von Rokit BMW wirkt halb leer. Miguel Oliveira laboriert an einer Handgelenkfraktur, für ihn springt Michael van der Mark ein – ein Déjà-vu, hatte er doch erst im Winter den Platz an der Seite von Petrucci geräumt. Gleiches Bild bei Honda HRC: Jake Dixon fehlt mit Schlüsselbeinbruch, Yuki Kunii bekommt den dritten Einsatz in Folge und will endlich die Q2-Zone knacken.

Ein kabelsalat namens tv-plan
MotoGP in Barcelona, Tennis in Rom – die Programmplaner drehen durch. Sky Sport Uno übernimmt Samstag 14:00 Uhr live, TV8 zeigt erst 16:30 Uhr eine Zusammenschnitt-Fassung. Sonntag rettet Cielo TV die Ehre und strahlt G race-2 in voller Länge aus. Wer nicht zappen will, greift zur Sky-Ticket-App oder hofft auf den offiziellen YouTube-Livestream der Serie.

Rekordjagd statt meisterschaftsfrage
Bulega kann mit einem weiteren Doppel triumph den Rekord von Doug Polen aus dem Jahr 1991 einstampfen – 18 Siege in einer Saison. „Ich schaue nicht auf die Tabelle, ich schaue auf die Uhr“, sagt er und meint damit die 1:30,947 Rundenzeit von Jonathan Rea, die seit vier Jahren unangetastet ist. Bei 27 Grad Lufttemperatur und einer Asphaltwärme von 45 könnte sie fallen. Die Frage ist nur: von wem.
Um 15:30 Uhr Ortszeit am Sonntag wird Most entweder zur Bulega-Galerie oder zur Befreiungsstatue für den Rest des Feldes. Die Boxenlüfter heulen bereits, die Reifenwärmer glühen. In fünf Tage Training bleibt Zeit, den Unbesiegbaren doch noch zu schlagen. Die Uhr tickt – und sie tickt laut.
