Bühl fällt aus – wück dreht trotzdem auf: „wir haben genug pulver“
Klara Bühl fehlt, Selina Cerci auch. Beide Flügelzangen weg, 48 Stunden vor dem Quali-Auftakt der deutschen Frauen gegen Slowenien. Bundestrainer Christian Wück sitzt in der Dresdner Mixed Zone, kaut kurz auf seinem Kaugummi und sagt dann den Satz, der die Stimmung kippt: „Es tut weh, klar. Aber wir werden trotzdem Feuer spucken.“
Die verletzung – ein schlag ins kontor
Die 22-jährige Münchnerin zog sich am Sonntag auf dem Frankfurter Campus eine muskuläre Blessur im hinteren Oberschenkel zu, Ausfallzeit: offen. Für Bühl persönlich bitter – sie hatte sich nach ihrer Corona-Pause gerade wieder in die Startelf gekämpft. Für Wück ist es der erste echte Stressfall seit Amtsantritt. Er spricht von „einem Faktor, der uns Tempo und Dribbling nimmt“, doch schiebt er direkt hinterher: „Wir haben Nachrücker, die seit Monaten auf diesen Moment lauern.“
Wer auf den Flügeln rückt, behält der 52-Jährige wie immer für sich. Die Namen Jule Brand und Sydney Lohmann fliegen durchs Medienzentrum, auch Nicole Anyomi wird gehandelt. Fakt ist: Das 4-3-3 bleibt, nur die Besetzung wechselt. „Das System ist nicht die Heiligen Drei Könige, es lebt von der Mentalität“, sagt Wück und klingt dabei mehr wie ein Bundeswehrtrainer als wie ein DFB-Techniker.

Gwinn rettet die nerven
Kurzschluss bei der Abwehrchefin? Keine Rede. Giulia Gwinn trainierte Montag zwar reduziert, aber sie läuft heute wieder voll mit. Ihre Führung fehlt im Umbruchmoment. Gwinn selbst wischt ab: „Wir haben 2022 mit drei Ausfällen angefangen und sind trotzdem Weltmeister geworden.“ Die Botschaft: Verletzungen sind kein Alibi, sondern ein Test.

Qualifikation mit vorgeschmack auf brasilien
Gruppe A4 ist auf Papier ein Selbstläufer: Norwegen, Österreich, Slowenien. Doch wer die Skandinavierinnen in der Liga gesehen hat, weiß, dass Caroline Graham Hansen und Co. sich für 0:1-Pleiten nicht interessieren. Wück zählt deshalb lieber Punkte als Tore: „Erster Platz ist Non-negotiable, alles andere wird ein Sommer ohne Brasilien.“
Mittelfeldstratege Sjoeke Nüsken warnt vor dem ersten Ball: „Slowenien parkt den Bus, wir brauchen Geduld plus die zweite Welle.“ Gemeint ist: Flügel-Doppelpass, halbhohe Hereingaben, Nachsetzer. Ohne Bühl wird das Kunststück schwieriger, aber nicht unmöglich. Die Chelsea-Frau verweist auf die Breite: „Wir haben 26 Profis, nicht 11.“
Anpfiff in der DDV-Stadion Dresden ist heute um 17.45 Uhr, ARD live, 22.000 Tickets weg. Wück will den Schwung mitnehmen nach Oslo, wo am Dienstag nächster Woche der nächste Schritt folgt. Seine Devise: „Gruppenphase sauber abliefern, dann reden wir über Brasilien.“ Klara Bühl wird auf der Tribüne sitzen, aber laut Wück „mit Funkstrecke ins Ohr“. Weil sie ein Teil des Plans bleibt – nur eben mit Handtuch statt mit Ball.
