Brutal-premiere in goiânia: motogp rutscht auf schotter, fahrer bluten
Die Rückkehr der MotoGP nach Brasilien war ein Schlamassel im Doppelpack: erst schwappte die Flut über die Tribünen, dann spuckte die Rennstrecke Asphaltbrocken aus – und das, obwohl die FIM die Homologation erst am Vortag unterschrieb.
Donnerstag noch alles paletti, freitag stand goiânia unter wasser
Regen, Matsch, Pfützen. Die Boxengasse glich einem Baggersee, die Streckenposten wateten knöchelhoch durch rote Gatschmasse. Erste Verzögerung: zwei Stunden. Dann krachte Jorge Martín in der Aufwärmrunde über ein Schlagloch – mitten auf der Start-Ziel-Geraden. Freitagstraining abgebrochen, Samstagstraining gestrichen. Q1 und Q2 der Moto2 mussten in den Sonntagmorgen verlegt werden.
Doch die Katastrophe hatte gerade erst begonnen. In Kurve 11 löste sich die Deckschicht. Kieselsteinen flogen wie Schleudergeschosse in Fahrtrichtung. Álex Rins hielt nach dem Rennen seinen rechten Zeigefinger in die Kamera: lila, dick, verstauch. „Der ist mein Bremsfinger“, sagte er knapp. Bruder Marc zog den Armel hoch: ganze Unterarme voller Blutergüsse. „Asphalt-Granaten“, sagt er. „Michelin-Reifen halten länger als die Piste.“

31 Runden waren geplant – dann kam die ansage: nur noch 23
Die MotoGP-Maschinen rollten bereits auf dem Grid, als die Race Direction das Startgerät umprogrammierte. Grund: „Degradación del trazado“ – sprich: der Belag zerfällt bei 57 °C Streckentemperatur zu Staub. Die Teams mussten in Sekundenschnelle Tanks und Reifenstrategien umdrehen. „Volltanken, keine Zeit für Setup-Änderungen“, schimpfte Aprilia-CEO Massimo Rivola. „Das ist inakzeptabel.“
Trotzdem lief das Rennen – und lieferte ein Podium voller Ironie. Marc Márquez verlor in genau der Kurve 11 den Anschluss an Fabio Di Giannantonio, weil seine Vorderachs über die lose Schotterdecke hopste. „Ich hab abgebremst, weil ich nicht noch mehr blaue Flecken wollte“, sagt er halb lachend, halb grinsend. Hinter ihm krachten zwei weitere Fahrer in den Kiesbett-Geysir.

Michelin wäscht die hände in unschuld – die fim schweigt
Der Reifenhersteller postete ein Foto von aufgerissenem Asphalt und kommentierte lapidar: „Wenn die Strecke weicher ist als unsere Gummis.“ Die FIM, die den Kurs am Donnerstag noch abnahm, äußerte sich bis Redaktionsschluss nicht. Intern kursiert ein Bericht, der für 2027 Asphaltqualität der Stufe 3 fordert – aktuell sei man bei Stufe 1, also touristischem Niveau.
Brasilien feiert sein Comeback, doch die Fahrer fordern ein Comeback der Vernunft. „Nächstes Jahr entweder neue Oberfläche oder wir fahren woanders“, sagt ein Teammanager, der anonym bleiben will. Die Rechnung ist einfach: Flut plus Löcher plus Kiesregen gleich Preisgeld minus Haut. Die MotoGP hat in Südamerika ein zweites Mal angepfiffen – ob sie ein drittes Mal wiederkommt, entscheidet sich auf dem Schreibtisch der Ingenieure, nicht auf dem Asphalt von Goiânia.
