Briten rebellieren: wm-skandal tanzt auf dem eis

Der britische Verband schlägt zurück. Nach dem umstrittenen Punktabzug für Lilah Fear und Lewis Gibson bei der Eistanz-WM in Prag legt Großbritannien offiziell Einspruch ein – und fordert nicht nur Bronze, sondern eine Generalüberholung des gesamten Schiedsrichterwesens.

Der sturz vom podest dauerte 4,2 sekunden

Sie lagen nach der Rhythmtanz-Kür auf Rang drei, dann kam die Moderationsansage: „Two-point deduction for illegal element“. Die Halle verstummte, Fear riss sich die Handschuhe vom Gesicht, Gibson starrte auf die Anzeigetafel als wäre sie fremd. Vierte Position. 1,84 Punkte hinter den Kanadiern. Kein Podest, keine Medaille, nur der bittere Geschmack von Zimt und Enttäuschung.

Die ISU begründet den Abzug mit einem verbotenen Aufwärtsschwung in der Drehfolge. Das britische Team kontert mit 14 Seiten technischem Dossier und zwei Slow-motion-Videos, die angeblich zeigen: Das Element war sauber. Pam Aguss, Präsidentin von British Ice Dance, lässt keinen Zweifel: „Wir glauben an eine Fehlentscheidung, und wir werden nicht ruhen, bis die Federzeichnungen der Schiedsrichter öffentlich sind.“

Das echo aus der jurykabine bleibt aus

Das echo aus der jurykabine bleibt aus

Während die Franzosen Fournier Beaudry/Cizeron sich mit Gold im Gepäck abseilen und die US-Boykotteure Chock/Bates in Florida Tee trinken, sitzen die Briten im Hotel Hilton und warten auf ein offizielles Protokoll. Die ISU schweigt bislang, ein Sprecher verwies auf „laufende interne Prüfungen“. Klingt nach Sanduhr statt Stopwatch.

Die Cause hat Sprengkraft. Schon in Mailand hatte die gleiche französische Preisrichterin Jézabel Dabouis mit ihrer Bewertung für Fournier Beaudry/Cizeron den Schnitt um 6,3 Punkte nach oben gehoben – und prompt prompte Kritik ausgelöst. Nun also die nächste Dabouis-Note, wieder zugunsten der Franzosen, wieder mit juristischem Nachspiel. Zufall nennt das Statistik, Sportler nennen es anders.

Die Frist für eine offizielle Berufung läuft in 72 Stunden. Sollte das britische Gremium obsiegen, würde die ISU erstmals seit 2006 eine WM-Medaille nachträglich umbenennen müssen. Die Folge: Re-Opening der Zeremonie, Umdisponierung der Preisgelder, ein Präzedenzfall für jeden Trainer, der künftig mit dem Regelwerk wedelt.

Fear und Gibson trainieren bereits wieder. Morgen früh um 6:30 Uhr Eiszeit in Nottingham. „Wir lassen uns nicht die Kufen verbiegen“, sagt Gibson. „Wir kommen zurück – und nächstes Jahr tanzen wir auf dem obersten Treppchen, egal wie viele Punkte sie uns abziehen.“ Kein Schwung ist illegal, wenn er aus Entschlossenheit kommt.