Braunschweig rüttelt düsseldorf wach – abstiegskampf kocht wieder
Ein Schlag in die Magengrube für Fortuna Düsseldorf: In Braunschweig schlurfte die Mannschaft von Markus Anfang wie betäubt vom Platz, hatte 90 Minuten lang das Gefühl, in jedem Zweikampf eine Sekunde zu spät zu kommen. Die 0:1-Niederlage schleudert den einstigen Aufstiegskandidaten zurück in die Schreckenszone – und verleiht Eintracht Braunschweig jene Luft, die Trainer-Legende Lars Kornetka nach nur vier Tagen auf der Bank schmeichelhaft als „Neuanfang“ betitelt.
Kornetka’sche eingriffe wirken sofort
Der 39-Jährige, nebenher noch Co-Trainer der österreichischen Nationalmannschaft, rotierte dreimal, stellte auf ein 3-4-3 um und schickte Robin Heußer als „Runner“ hinter die gegnerische Kette. Die Idee: Düsseldorfs aufgebohrte Innenverteidigung mit verrückter Laufkraft traktieren. In der 62. Minute lachte der Plan: Jovan Mijatović, erst fünf Minuten auf dem Rasen, spurtete zur Grundlinie, legte quer, ein Abwehrbein lenzte die Kugel genau in Heußers Weg – 1:0. Der Sturm der Entlastung im Stadion an der Hamburger Straße war nicht nur akustisch spürbar.
Fortuna hingegen wirkte wie nach dem Mittagsschlaf erwacht, aber ohne Kaffee. Ljubičić’ vermeintlicher Treffer (36.) fiel zurecht wegen Abseits. Danach? Kein einziger Torschuss bis zum Abpfiff. „Wir waren nicht griffig“, sagte Anfang und klang dabei weniger wie ein Trainer nach einer Niederlage, sondern wie ein Mechaniker, der sein Werkzeug verlegt hat. Die Statistik untermauert’s: nur 0,5 xGoals, 38 % Ballbesitz, elf verlorene Zweikämpfe im letzten Drittel. Das ist in der 2. Bundesliga ein Satz mit X-Beinen.

Der klassiker der falschen richtung
Mit 29 Zählern rückt Braunschweig auf den Relegationsplatz heran, Düsseldorf steht bei 31 Punkten und plötzlich wieder mitten im Todeskandidaten-Treffen. Die Tabellensituation lügt nie: Nur vier Punkte trennen Platz 13 von Platz 17. Die Fortuna muss nun am Sonntag gegen Hertha BSC liefern – sonst droht der Blick auf Schleswig-Holstein, wo der Kieler Futsch-Kurs noch keine Trendwende kennt. Braunschweig reist indessen zum Niedersachsen-Duell nach Hannover, wo drei weitere Punkte den Liga-Rettungsanker festzurren könnten.
Fabio Di Michele Sanchez hatte seinen 23. Geburtstag mit einem Kopfball im Tor gefeiert – aber das VAR-Gericht nahm ihm das Geschenk zurück. Die Ironie: Der vermeintliche Matchwinner stand später mit hängendem Kopf da, während sich Heußer vor den Block Bären schreien konnte. Geburtstag vertagt, Saison noch lange nicht.
Die Liga ist ein Spiegel der Gerechtigkeit: Wer in 26 Spielen nur 29 Tore schießt, darf sich nicht wundern, wenn der Abstieg droht. Die Fortuna schaffte es in dieser Saison bereits achtmal, nicht zu treffen – das ist der schlechteste Wert ihrer Zweitliga-Historie. Auf der Gegenseite feierte Kornetka einen Sieg, der vor allem eins ist: ein Befreiungsschlag ohne Kunstpause. Denn in Braunschweig weiß man: Der Abstieg ist kein Gespenst, er ist ein konkretes Szenario – bis die Punkte da sind, wo der Rasen aufhört.
