Br volleys feiern zehnten titel – doch wolken am horizont

Berlin feiert, doch im Lager der BR Volleys hängt ein bitterer Nachgeschmack in der Luft. Der zehnten Meistertitel in Folge wurde gefeiert, ausgelassen, mit Bier aus dem Schuh – eine Tradition, die sich bewährt hat. Doch Geschäftsführer Kaweh Niroomand mahnt: Die Saison war eine Anomalie, ein Warnsignal, das die hohen Ansprüche des Hauptstadtklubs in Frage stellt.

Die achterbahnfahrt zur meisterschaft

Die Finalserie gegen die SVG Lüneburg endete mit dem dritten 3:1-Sieg, der die lange und schwierige Saison der Berliner beendete. Vergessen schien der holprige Saisonstart, das frühe Aus im DVV-Pokal und die Trainerwechsel. Kapitän Ruben Schott sprach von einer „emotional unglaublich harten Saison“, in der das Team gerade noch einmal alles gab, um den Titel zu verteidigen. Die Routiniers zeigten Nervenstärke, als es darauf ankam.

Besonders herausragend war einmal mehr Jake Hanes, der mit 28 Punkten in der entscheidenden Partie die Decke anstimmte. „Wenn der einmal anfängt, dann ist er ein unzähmbares Biest“, lobte Schott seinen Leistungsträger. Doch die Freude über den Triumph wird von einer schlechten Nachricht getrübt: Hanes wird die BR Volleys verlassen. „Tolle Angebote aus dem Ausland sind einfach schwer abzulehnen“, erklärte Niroomand.

Lüneburgs aufstieg und die trainerfrage

Lüneburgs aufstieg und die trainerfrage

Die SVG Lüneburg kann trotz der Finalpleite stolz auf ihre bisher erfolgreichste Saison sein, die mit dem ersten Titel der Vereinsgeschichte gekrönt wurde. Trainer Stefan Hübner zeigte sich enttäuscht, betonte aber die Fortschritte seines Teams. Die SVG hat sich neben dem VfB Friedrichshafen als ernstzunehmender Konkurrent für die Berliner etabliert, insbesondere nach dem Gewinn der Hauptrunde. Die Konkurrenz schläft nicht, und das muss in Berlin erkannt werden.

Auch die Trainerfrage offen bleibt: Interimscoach Markus Steuerwald wird zur kommenden Saison den Ligakonkurrenten Grizzlys Giesen übernehmen. Niroomand betonte, dass man sich angesichts der insgesamt 16. Meisterschaft noch stärker zeigen müsse. „Solch eine Wackelsaison darf es in der kommenden Spielzeit nicht geben.“ Die Herausforderungen sind groß, die Erwartungen weiterhin enorm. Es bleibt abzuwarten, wie die BR Volleys auf die Abgänge reagieren und wie sie ihre Dominanz in der Bundesliga behaupten werden. Die Lüneburger haben gezeigt, dass es möglich ist, die Berliner Macht zu brechen – und das ist ein Weckruf für den Rekordmeister.