Borussia dortmund trauert: südtribüne gedenkt fanprojekt-ikone davud mohammed

Gelbe Choreographie, stille Minuten, zwei Banner – am Samstag war der Signal Iduna Park kein Fußballtempel, sondern ein großes Gedenken. Die Südtribüne erinnerte vor dem Anpfiff gegen Leverkusen an Davud Mohammed, den Mann, der 18 Jahre lang das Fanprojekt Dortmund e. V. prägte und am 3. April mit nur 55 Jahren starb.

Der mann, der hinter der gelben wand stand

Von 2002 bis 2020 baute Mohammed Aufklärungsprogramme für Jugendliche auf, schulte Hundende Stewards und vermittelte zwischen Ultras, Verein und Stadt. „Er war unser Sprachrohr, wenn es brenzlig wurde, und unsere Stimme der Vernunft, wenn Emotionen überkochten“, sagt ein ehemaliger Kollege, der lieber anonym bleibt. Nach einer schweren Krankheit kehrte Mohammed 2019 zurück, musste sich aber ein Jahr später endgültig zurückziehen. Die Choreographie zeigte sein Konterfei über der Aufschrift „Danke, Davud“ – 25.000 Kartons hoben gleichzeitig, das Stadion verstummte.

Die Bilder ging um die Welt. Doch die Südtribüne hatte noch eine zweite Rechnung offen.

Acht minuten später erinnerten sie an mehmet kubasik

Acht minuten später erinnerten sie an mehmet kubasik

Zwei Spruchbänder, gehisst im Block 12, mahnten: „NSU-Mord 4.4.2006 – Mehmet Kubasik vergessen wir nicht“. Der damals 39-jährige Kioskbesitzer war das neunte Opfer der rechtsterroristischen Mordserie. Seine Tochter Gamze saß an diesem Abend auf der Haupttribüne, umringt von Vereinsvertretern. „Ich habe geweint, dann applaudiert“, sagt sie. „Mein Vater war Dortmunder, BVB-Fan, türkisch, deutsch – alles zusammen. Diese Geste macht das Tragen leichter.“

Die Partie selbst geriet zur Nebenrolle. Erst die Choreografien, dann ein torloses Remis. Die Spieler standen nach Abpfiff mit erhobenen Armen vor der Südtribüne, applaudierten mit, während über den Lautsprecher „You’ll Never Walk Alone“ erklang – ein Song, der in Dortmund selten klingt, aber heute passte.

55 Jahre alt wurde Davud Mohammed. Neun Menschen mit Migrationshintergrund fielen dem NSU zum Opfer. Die Zahlen stehen für zwei Schicksale, die das Stadion verband – und für eine Stadt, die lernt, Vergangenheit nicht vergessen zu lassen, während sie Abschied nimmt.