Boniface zurück: bremens letzter trumpf im abstiegsendspiel

Victor Boniface stampft wieder über den Trainingsrasen. Der Nigerianer, seit Dezember außer Gefecht, meldet sich genau dann zurück, wenn Bremen am Abgrund steht. Die Hanseaten holten ihn von der Leistungsdiagnostik in Leverkusen zurück – und wollen ihn noch einmal aufbieten, bevor die Saison zerschellt.

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Peter Niemeyer spricht vom „letzten Blick über die Schulter“. Der Leiter Profifußball weiß: Mit Boniface könnte Werder die Kurve kriegen, ohne ihn bleibt die Luft dünner. Der Stürmer absolviert zunächst individuelles Programm, dann soll er „behutsam“ an die Gruppe. Das Kicker-Team vermutet: Spielminute 75, wenn der Gegner die Hacken sinken lässt, könnte der 25-Jährige einschwenken.

Die Statistik nagt. Elf Partien in der Hinrunde, kein Tor, zwei xG-Marktwerte verschenkt. Dazu 16 Fehltermine – fast jede zweite Liga-Partie saß er in der Kabine. Dennoch: Im Training schoss er vor der Verletzung die Bälle so hart, dass Co-Trainer Siewert die Handschuhe wechseln musste. Die Physios attestieren ihm „explosive Muskelkraft“, bloß das rechte Knie hatte immer wieder revoltiert.

Die Saison hat noch fünf Spieltage. Bremen liegt einen Punkt über dem Strich, Mainz und Bochum atmen im Nacken. Trainer Ole Werner muss abwägen: Boniface sofort als Joker einplanen oder weiter warmlaufen lassen? Der Club zahlt für die Leihe keine zusätzliche Prämie – aber jedes Tor, das den Verbleib in Liga eins sichert, ist den TV-Millionen 2026/27 wert. Die Rechnung ist simpel: Ein Treffer könnte 30 Millionen Euro einbringen.

Die Fans diskutieren lautstark. Die Facebook-Gruppe „Ostkurve Pelkum“ fordert: „Lieber ein fitter Boniface als ein kaputtes Symbol.“ Die Skeptiker erinnern an frühere Comebacks, etwa bei Union Berlin, wo ein Einsatz nach sieben Monaten Pause sofort die nächste Reha einleitete. Die medizinische Abteilung beruhigt: Belastungs-MRT steht bereit, individuelle Laufanalysen laufen, Knorpelstatus: „grün-versiegelt“.

Boniface selbst schwieg bisher. Stattdessen postete er ein Foto von sich mit der Überschrift „Back to the roots – back to the fight“. Die Botschaft ist klar: Er will nicht nur mitlaufen, er will den Klassenerhalt mit seinem sechsten Sinn im Strafraum erzwingen. Bremen hat 14 Tage, um die Entscheidung zu treffen. Am 16. Mai glüht der Rasen – entweder zum letzten Mal in dieser Saison oder eben doch noch für die Relegation.