Bonaventura packt aus: so endete seine milan-zeit und warum er allegri vergöttert
Giacomo Bonaventura hat den Stecker gezogen – und redet erstmals ohne Filter über die Tage, die ihn vom Taktiker zum Publikumsliebling beim AC Milan machten. Im Interview mit Tutti Convocati verrät der 37-Jährige, warum er im Winter 2026 aufhörte, was er Max Allegri schuldet – und warum das Instagram-Outing nur ein Notbehelf war.
Warum bonaventura seine rente nicht groß ankündigte
„Ich wusste es schon im Sommer, aber ich wollte kein Tam-Tam“, sagt er. Die Adrenalinsucht habe nachgelassen, als er auf Einladung eines Freunds in Miami trainierte. „Ich stand auf dem Platz und dachte: So richtig Lust, heute 90 Minuten zu rennen, habe ich eigentlich nicht.“ Drei Tage später buchte er den Rückflug – ohne Rückkehrplan. „Wenn du nicht mehr mit Freude aufwachst, ist jeder weitere Tag eine Lüge.“
Die 70 000 Fans in San Siro? „Das Brummen bleibt dir im Nacken, klar. Aber irgendwann fragt man sich: Will ich für ein paar Sekunden Applaus noch einmal mein Knie zerfleischen? Die Antwort war Nein.“

Allegri war mehr als ein coach – er war ein schachspieler
Mit leuchtenden Augen erinnert sich Bonaventura an den Coach, der ihn 2014 aus Bergamo holte. „Max hat eine Gabe, aus jeder Krise das Maximum zu quetschen. Er sieht drei Züge weiter, selbst wenn die Spieler selbst noch im Nebel stehen.“ Ein Anruf von Allegri bei Juventus habe tatsächlich stattgefunden, bestätigt er mit einem verschmitzten Lachen. „Aber ich habe gespürt: Wenn ich nicht mehr 100 % geben kann, tue ich mir, ihm und dem Klub keinen Gefallen.“
Der aktuelle Streit um Allegris Zukunft in Turin lässt ihn kalt. „Er wird wieder triumphieren, weil er das Spiel versteht wie kaum ein Zweiter.“

Florenz war das reinste vergnügen, milan der traum mit kratzern
Statistisch lieferte er in der Toskana seine besten Saisons ab. „Aber Milan war das Theater, in dem du die Hauptrolle spielst, ob du willst oder nicht.“ Die sechs Jahre bei den Rossoneri beschreibt er als „eine Ehe mit Höhen und Tiefs, bei der du nie weißt, ob ihr morgen noch zusammen seid“. Dennoch: „Kein Tag, an dem ich es bereut hätte.“
Den Scudetto holte er nicht – „wir waren nah, aber das große Milan war das von Berlusconi, und das war schon Geschichte, als ich ankam“. Rimpel? Fehlanzeige. „Wer erwartet, mit 27 schon alles zu gewinnen, der versteht nichts von Fußball.“
Italia-playoffs? gattuso kann die mannschaft entzünden
Auch über die Azzurri spricht er Tacheles. Die Playoff-Chance gegen Nordmazedonien sieht er realistisch. „Wir haben Qualität. Gennaro kann in die Köpfe, er schreit nicht einfach – er brennt. Das braucht man, wenn das Selbstvertrauen bröckelt.“
Und mit einem Seitenhieb auf die Zweifler: „Wer behauptet, Italien hätte kein Talent, der schaut nicht hin. Wir sind nur zu sehr damit beschäftigt, alten Ruhm zu bewahren, statt neue Geschichten zu schreiben.“
Bonaventura will keine Tränen, keine Gedenkminuten. „Ich gehe, ohne etwas zurückzufordern. Die 236 Spiele im rotschwarzen Trikot reichen für ein Leben voller Nachhall.“ Beim Abschied bleibt nur eine Frage: Wer füllt die Lücke, die ein „Jack di cuori“ hinterlässt? Die Antwort wird nicht auf Instagram kommen, sondern auf dem Platz – wo einst er selbst die Show stahl.
