Bologna zahlt fast 80.000 euro für zerstörte autoscheiben
Die Stadt Bologna hat 79.993,20 Euro locker gemacht, um Bürger zu entschädigen, deren Autoscheiben von Vandalen zertrümmert wurden. Von 606 eingereichten Anträgen wurden 495 bewilligt – eine Zahl, die zeigt, wie tief das Problem sitzt.
Wie aus einem hilfsprogramm eine kostenlawine wurde
Alles begann mit einem ersten Ausschreibungsverfahren vom 22. April 2025, für das die Stadtverwaltung zunächst bescheidene 30.000 Euro bereitgestellt hatte. Der Gedanke dahinter war simpel: Wer auf öffentlichen Parkplätzen in Bologna sein Auto abstellt und durch Vandalismus einen Schaden erleidet, soll nicht allein dafür bluten. Was niemand ahnte: Der Ansturm würde die Kassen weit übersteigen.
Bereits im Oktober zeichnete sich das Desaster ab. 307 Anträge lagen noch unbearbeitet auf dem Stapel, als Palazzo d'Accursio ein zweites Verfahren ankündigte. Die Stadtbezirke mit den meisten Schadensmeldungen? Navile führt mit 309 Anträgen deutlich die traurige Rangliste an, gefolgt von San Donato-San Vitale mit 93 und Porto-Saragozza mit 92.
Emulationsphänomen oder schlicht organisierte kleinkriminalität?
Die zuständige Stadträtin für integrierte Stadtsicherheit, Matilde Madrid, sprach im Februar offen aus, was viele dachten: Die Einbruchsrate sei ungewöhnlich hoch, doch Diebstähle passierten immer seltener. Zertrümmerte Scheibe, leeres Auto, kein Diebesgut. Das klingt weniger nach organisierter Kriminalität als nach purem Vandalismus – oder, schlimmer noch, nach einem Nachahmungseffekt, der sich verselbstständigt hat.
Die Bedingungen für eine Entschädigung waren klar geregelt: Fahrzeughalter mussten nachweisen, dass ihr Wagen auf öffentlichem Grund geparkt war, keine Kaskoversicherung für diesen Schaden bestand und sie in den zwölf Monaten zuvor keine gleichartige Förderung erhalten hatten. Der Erstattungssatz lag bei 70 Prozent der nachgewiesenen Reparaturkosten, gedeckelt auf maximal 250 Euro pro Antragsteller.

Politik streitet, während die scheiben weiter splittern
Die Reaktionen aus dem Stadtrat ließen nicht lange auf sich warten. Während ein Teil die schnelle Reaktion der Verwaltung lobte, forderte die Opposition unter Bürgermeister Matteo Lepore lautstark mehr Prävention statt Pflaster-Lösungen. Giovanna Conza, Fraktionsvorsitzende von Fratelli d'Italia im Quartier San Donato-San Vitale, veröffentlichte die Verteilung der Anträge nach Stadtbezirken – eine politische Geste, die den Druck auf die Verwaltung weiter erhöhte.
Fast 80.000 Euro für zerbrochene Autoscheiben. Bologna hat damit einen Präzedenzfall geschaffen, den andere Städte aufmerksam beobachten dürften – und den Vandalen, die noch immer unterwegs sind, herzlich wenig beeindruckt.
