Bogicevic schlägt zurück: weißenfels fegt alba mit 99:68 weg

Ein K.o. nach 24 Minuten, eine Stadthalle, die inbrünstig „Oh, wie ist das schön!“ gröhlte, und ein Serbe, der seine Faust mitreißend in die Höhe riss: Nach 13 Niederlagen in Folge hat der Syntainics MBC ausgerechnet gegen Alba Berlin den Befreiungsschlag gelandet – 99:68, Anpfiff zur Party in Weißenfels.

Milenko bogicevic trifft seinen herzensklub

Vier Wochen ist es her, dass der 49-jährige Bogicevic zurück in die Basketball Bundesliga geholt wurde. Als Assistent von Sasa Obradovic erlebte er zwischen 2012 und 2016 in Berlin Höhenflüge, sein jüngstes Kind wurde dort geboren. „Alba ist in meinem Herzen“, sagt er. Jetzt zertrümmerte er mit dem Tabellenletzten genau dieses Alba – und das so deutlich, dass selbst die Berliner Anhänger im Block schwiegen.

Die Zahlen sind schonungslos: Weißenfels traf 42 % der Dreier, dominierte die Boards (38 Rebounds gegen 28) und zwang Alba bereits zur Pause in die Knie (52:44). Spencer Reaves war mit 23 Punkten der unbändige Antreiber, Charles Callison fiel nach Schlusssirene vor dem Maskottchen „Der Wolf“ auf die Knie. „Wir haben die Arbeit reingesteckt, wir haben durchgehalten – dieser Sieg ist verdient“, sagte Callison, während die Uhr im Hintergrund schon wieder auf Montag tickt.

Der offene brief, der wandel bewirkte

Der offene brief, der wandel bewirkte

Am Mittwoch hatte Geschäftsführer Martin Geissler einen emotionalen Appell an Fans, Partner und Spieler verschickt. „13 Niederlagen treffen jeden von uns“, schrieb er. „Kopf in den Sand – oder Kopf hoch und das Ziel fest im Blick?“ Die Antwort lautete: Kopf hoch. Der Klub präsentierte sich als Kollektiv, das sich selbst seine DNA zuschreibt: „Wir geben nie auf. Wir kämpfen bis zum letzten Ballbesitz.“ Genau das war auf dem Parkett zu sehen.

Alba-Verteidiger Malte Delow sprach nach dem Spiel vom „Kopf, der ab dem ersten Viertel gerattert ist“. Der verletzte Martin Hermannsson fehlte als Regisseur, die Berliner wirkten wie eingefroren. „Wir sind heute nicht mit der nötigen Energie reingegangen“, sagte Delow. Der MBC dagegen war laut, körperbetont und hungrig. Bogicevic hatte RJ Gunn und Andrew Harrison auf die Tribüne verbannt – eine mutige Personalie, die aufging.

Der countdown läuft weiter

Der countdown läuft weiter

Schon am Dienstag fliegt Weißenfels nach Groningen, Viertelfinal-Hinspiel im ENBL-Wettbewerb. Elf Bundesligaspiele bleiben, der Vorsprung zum rettenden Ufer ist weiterhin ein Punkt. Doch wer die Stadthalle gesehen hat, weiß: Ein Schlag kann reichen, um eine Saison wachzurütteln. Bogicevic ballte die Fäuste – und plötzlich glauben die Wölfe wieder an sich selbst.