Bodø/glimt schreibt champions-league-geschichte aus der arktis

Am 20. Januar schien in Bodø gerade einmal viereinhalb Stunden die Sonne. Als das Tageslicht längst verschwunden war, feierte ein Klub aus dem nördlichsten Zipfel Europas den erstenChampions-League-Sieg eines Teams jenseits des Polarkreises – 3:1 gegen Manchester City. Was danach folgte, grenzt an kollektiven Realitätsverlust: Atlético Madrid auswärts geschlagen, Inter Mailand rausgeworfen, und jetzt das Achtelfinale gegen Sporting. Das ist keine Märchenstunde. Das ist Bodø/Glimt.

Vier siege, die die fußballwelt nicht versteht

Die Zahlen sind brutal in ihrer Klarheit. Bodø ist das erste Team seit Ajax Amsterdam vor 54 Jahren, das vier Siege gegen Mannschaften aus Europas Top-5-Ligen holte, ohne selbst aus einer dieser Ligen zu stammen. Vier Siege. Gegen City, Atlético, Inter zweimal. Und das alles in einer Winterpause, während die norwegische Liga schläft.

Der Klub spielt auf Kunstrasen. Der Etat liegt bei geschätzten zehn Millionen Euro. Zum Vergleich: Manchester City gibt in einer Woche mehr für Hotelübernachtungen aus. Die gesamte Einwohnerzahl von Bodø – 53.725 Menschen – würde das San Siro nicht einmal halbvoll füllen.

Kjetil knutsen: acht jahre, eine philosophie, kein kompromiss

Kjetil knutsen: acht jahre, eine philosophie, kein kompromiss

Hinter allem steckt ein 57-jähriger Trainer, der stur genug ist, um Geschichte zu schreiben. Kjetil Knutsen arbeitet seit acht Jahren in Bodø, und sein 4-3-3-System ist so unantastbar, dass sogar der vereinseigene Podcast danach benannt ist. Jan Aage Fjørtoft, Ex-Profi und norwegischer TV-Reporter, bringt es auf den Punkt: „Ich kenne keinen Trainer, der so stur nach seiner Philosophie spielen lässt wie er. Und auf dieser Philosophie basieren alle Entscheidungen – sowohl auf als auch neben dem Spielfeld.