Bittencourt schlägt zurück: 300. bundesliga-spiel wird zum befreiungsschlag

Leonardo Bittencourt stand vor dem Aus, nun steht er im Mittelpunkt. Beim 1:0-Sieg in Wolfsburg feierte der 32-Jährige sein 300. Bundesliga-Spiel – und lieferte die Antwort auf alle Zweifler.

Von aussen vor zum mittelpunkt der befreiung

Die Szene nach dem Schlusspfiff im Volkswagen-Stadion war bezeichnend. Während seine Mitspieler erschöpft zusammenbrachen, klopfte sich Bittencourt demonstrativ auf das Werder-Wappen. 149 Spiele hat er für die Grün-Weißen absolviert, doch diese eine Partie war anders. Sie markierte nicht nur eine persönliche Bestmarke, sondern auch den Wendepunkt einer Saison voller Demütigungen.

Unter Horst Steffen war Bittencourt zum Verschwinden verdammt. Der Coach ließ ihn zuletzt nicht einmal mehr im Kader, im Dezember folgte die Trennungsankündigung. Doch Daniel Thioune erkannte den Wert des gestrigen Mannes. «Wir haben gesehen, warum ich immer betont habe, dass er noch ein ganz wichtiger Faktor für den Verein werden kann», sagt der Trainer nach dem Sieg, der Werder auf Rang 13 schiebt und den Abstand zu den Abstiegsplätzen auf sieben Punkte vergrößert.

Bittencourt selbst redet nicht um den heißen Brei herum. «Es ist nicht einfach gewesen, Aufs und Abs gehabt. Mehr Tiefs als Aufs», gesteht er. Die Zahlen sprechen für sich: Er erlebte zwei Abstiege mit Köln und Werder, nun will er den dritten verhindern. «Ich bin hier zum Fan geworden von diesem Verein», sagt er mit nachvorn gewandtem Blick. «Der mir unheimlich viel gibt und mir unheimlich viel beigebracht hat.»

Brasilien ruft, aber die bundesliga bleibt erste wahl

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Obwohl brasilianische Klubs bereits im Winter anklopften, schließt Bittencourt einen Verbleib in der deutschen Eliteklasse nicht aus. «Ich bin ein Bundesliga-Kind», sagt er. «Grundsätzlich kann ich mir auch vorstellen, in der Bundesliga zu bleiben.» Doch vordringlich ist nicht der Blick in die Zukunft, sondern die Gegenwart. Maximal sieben Spiele bleiben ihm, um Werder vor dem Abstieg zu bewahren.

Die Befreiungstat in Wolfsburg war nur der Anfang. Bittencourt weiß: «Wenn da etwas dabei ist, wo ich dahinter stehe, der Verein zu mir passt und die Familie sich auch wohl fühlen kann, werde ich das machen.» Doch zuerst muss der Kampf ums Klassenüberbleiben gewonnen werden. Nach dem Sieg in Wolfsburg hat er sich selbst zurück ins Gespräch gebracht – und Werder einen Schritt vom Abgrund weg.