Binaghis elite-plan: tennis will mit teuren tickets den fussball überholen
Angelo Binaghi schlägt auf dem Forum Ambrosetti den Ton ein, der halb Italien aufhorchen lässt: Wer ins Tennis investiert, soll gefälligst zahlen – und zwar tief. Denn nur so, so der Präsident des italienischen Tennisverbands, werde der Sport „dem Volk“ gehören.
Die rechnung geht auf – zumindest bei den konten
Die Zahl der Tennisfans ist laut Fitp auf 19,3 Millionen geklettert, nur zwei Millionen hinter dem Fussball. Binaghi sieht den Sprint vollendet und nennt das Mittel: Preise hoch, Zuschauer raus, Image rein. Ein Ticket für einen Center-Court-Tag in Rom kostet zwischen 120 und 600 Euro, Finalsitzplätze kratzen an der Tausender-Marke. Die Tribünen sind trotzdem voll, weil eben jene „Altospendenti“ – Banker, Unternehmer, Promis – die Logen blockieren. „Ein gepflegtes Publikum macht ein gepflegtes Spiel“, sagt er und meint: Rauchbengel, Bierduschen, Schlachtgesänge – bleibt den Ultras im Stadio.
Den Rest der Nation holt man über Supertennis, den Free-TV-Sender der Fitp, der 24 Stunden sendet und inzwischen 90 Prozent der Haushalte erreicht. Dort läuft Sinner, dort läuft Paolini, und wenn gerade kein Live-Match ansteht, werden Kids im Schulhof-Turnier gezeigt – 813.000 haben 2024 erstmals eine Rackete geschwungen, bezahlt aus der Prämie der Premium-Kunden.

Kredit ohne zinsen: fitp macht den robin hood
Die Kehrseite der Medaille: Es fehlen Plätze. 5.400 Anlagen existieren, 2.300 weitere werden bis 2026 gebraucht, sonst platzt das Korsett. Gemeinsam mit der Staatsbank für Sport und Kredit hat der Verband deshalb ein Null-Prozent-Darlehen aufgelegt: bis zu 300.000 Euro pro Klub, ohne Gebühren, ohne Sicherheiten – nur mit dem Versprechen, neue Jugendliche anzuwerben. 312 Vereine haben schon unterschrieben, 130 Projekte stehen kurz vor Spatenstich.
Klingt nach Sozialismus, ist aber reine Marktmechanik: Mehr Anlagen erzeugen mehr Mitglieder, mehr Mitglieder erzeugen mehr Fernsehgelder, mehr Fernsehgelder erzeugen mehr Preisgelder – und irgendwann, so Binaghis Kalkulation, übertrumpft das Tennis die Serie A bei den internationalen TV-Rechten. Dann nämlich, wenn die UEFA-Pakete 2027 neu verhandelt werden und die Fitp parallel ihre eigene Plattform fit macht für den Direktverkauf an Streaming-Dienste.
Der Fussball lacht noch. Aber die Lachmuskeln werden müde. Die Tennis-Grand-Prix in Rom, Genua und Turin steigern ihre Einnahmen seit fünf Jahren zweistellig, während die Liga ihre Zuschauerzahlen in den Stadien nicht über 60 Prozent bringt. Und Sinner? Der fliest mit jedem Grand-Slam-Sieg zusätzliche 15 Millionen Euro in die Kasse der Fitp – Geld, das sofort wieder in Anlagen und Nachwuchs fließt.
Die Botschaft ist klar: Elitär sein lohnt. Und wer dafür 600 Euro zahlt, darf sich in Zukunft vielleicht rühmen, den Fussball überholt zu haben – zumindest auf dem Papier.
