Biathlon-debakel: deutsche athleten bleiben sieglos und zahlen lehrgeld

Ein frostiger Winter, eine frostige Bilanz: Die deutscheBiathlon-Nationalmannschaft hat die Saison hinter sich gelassen, die schmerzlich aufzeigt, wie groß der Abstand zu den internationalen Spitzenteams noch ist. Es ist ein erschreckendes Kapitel in der Erfolgsgeschichte des DSV, denn erstmals seit vielen Jahren blieb ein einziger Sieg auf Weltcup-Ebene aus – weder bei den Damen noch bei den Herren. Die Euphorie, die nach einigen Hoffnungen zu Beginn der Saison aufkeimte, ist jäh verflogen.

Die finanzielle kehrtwende: wer kassierte trotz des misserfolgs?

Während sportlich wenig zu feiern war, offenbart die Geldrangliste ein überraschendes Bild. Philipp Nawrath, der mit zwei zweiten Plätzen die besten deutschen Ergebnisse erzielte und für über die Hälfte aller Podiumsplätze verantwortlich war, führt die Liste mit 142.350 Euro an. Doch selbst er liegt weit hinter den Erwartungen und deutlich hinter den Top-Verdienern aus anderen Disziplinen. Emma Aicher, Deutschlands Hoffnung im alpinen Skilauf, konnte mit satten 387.265 Euro ein Vermögen einsacken – mehr als doppelt so viel wie Skispringer Philipp Raimund mit 168.132 Euro. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Erfolg im Wintersport nicht immer mit dem Biathlonsport gleichzusetzen ist.

Franziska Preuß, trotz ihres frühen Karriereendes und der Belastung durch eine Corona-Erkrankung, konnte immerhin 73.900 Euro erringen, während Justus Strelow mit 61.100 Euro den dritten Platz belegt. Die drei waren Teil der Mixed-Staffel, die die einzige olympische Medaille für den DSV gewinnen konnte – ein tröstlicher, aber dennoch bitterer Trost angesichts der insgesamt schwachen Leistung im Olympia-Winter.

Die Konsequenzen sind unübersehbar: Das DSV-Team steht vor einem Neubeginn. Nach der enttäuschenden Saison, die zudem die schwächste olympische Leistung der deutschen Biathleten darstellt, müssen Veränderungen her. Die Damen-Mannschaft muss sich auf ein gänzlich neues Trainerteam einstellen, und mit Bernd Eisenbichler wurde ein neuer Sportdirektor vorgestellt. Der Druck ist enorm, und die Erwartungen für die kommende Saison sind hoch. Die Lücke zu den Top-Nationen Frankreich und Norwegen muss geschlossen werden, und das zügig. Hier sind nicht nur sportliche Verbesserungen nötig, sondern auch eine strategische Neuausrichtung.

Ein blick auf die komplette rangliste

Ein blick auf die komplette rangliste

Die folgende Übersicht zeigt die Prämienverteilung unter den deutschen Athleten: 1. Philipp Nawrath: 142.350 Euro; 2. Franziska Preuß: 73.900 Euro; 3. Justus Strelow: 61.100 Euro; 4. Vanessa Voigt: 60.400 Euro; 5. Philipp Horn: 57.600 Euro; 6. Janina Hettich-Walz: 53.550 Euro; 7. Julia Tannheimer: 42.000 Euro; 8. Marlene Fichtner: 40.100 Euro; 9. Anna Weidel: 31.900 Euro; 10. David Zobel: 27.850 Euro; 11. Danilo Riethmüller: 24.500 Euro; 12. Leonhard Pfund: 22.550 Euro; 13. Selina Grotian: 22.250 Euro; 14. Roman Rees: 19.550 Euro; 15. Lucas Fratzscher: 17.350 Euro.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die deutsche Biathlon-Mannschaft muss sich nicht nur sportlich neu erfinden, sondern auch die finanzielle Attraktivität steigern, um die besten Talente zu binden und neue zu fördern. Nur so kann die Rückkehr an die Spitze des Biathlon-Sports gelingen.