Bezirksliga-kick in thw-tempel: 58-jähriger wird in kiel zum star
Die Wunderino Arena hallt sonst von Europacup-Fanfaren, am Samstag schmetterte ein Hessen-Torwart mit 58 Jahren die Hymnen der Bezirksklasse. TV Langenselbold III verlor 30:34 gegen TV Altenhaßlau II – doch das Ergebnis war nur noch Beigeschmack, nachdem Gerd Habenstein als ältester Pflichtspieler aller Zeiten in Deutschlands berühmtester Handball-Kathedrale gewählt worden war.
Orgel-Punktspiel statt Orgelsound: 500 Zuschauer, Laser-Lauf, THW-Pate Patrick Wiencek an der Seitenlinie. Für die Aktiven war das keine Partie, es war ein Lebensabend-Video in Echtzeit.
Die niederlage war programm – der auftritt nicht
„Als ich mein Trikot zwischen den Profi-Kappen von Sagosen und Weinhold aufhing, wusste ich: egal wie’s endet, ich gewinne“, sagte Björn Schäfer, 34, Flügelspieler und Organisationshirn der Aktion. Orlen, Hauptsponsor des Rekordmeisters, hatte die Austragungsrechte an die punktbesten Amateure verschenkt – Langenselbold setzte sich bei der Online-Abstimmung mit 17.000 Klicks durch, mehr als einige Bundesliga-Spiele auf dem Klub-Kanal.
Altenhaßlau fuhr extra 460 Kilometer, nahm 18 Auswechselspieler mit und spielte, als wäre das Finale um den Pokal der Pokale. Trainer Marcus Brandes: „35 Jahre Kreiskarriere, und dann läufst du durch den Spielertunnel, der sonst nur von Nationalhymnen widerhält. Das Grinsen kriegst du mit Meißel nicht mehr runter.“

Habenstein parierte, das publikum jubelte – und die profis schauten neidisch
Der 58-jährige Keeper wehrte sieben Würfe ab, lies sich nach jedem Ballkontakt mit einem „Alter, wie geil ist das denn!“ abklatschen. Als die Hallensprecher die Wahl zum „Spieler des Spiels“ verkündeten, brach Tumult aus – selten hat ein Rentner in einer Sportart so viele Selfie-Wünsche erhalten wie ein Bundesliga-Star nach dem Finale.
THW-Manager Viktor Szilagyi stand am Zaun und notierte sich Kontaktdaten: „Solche Geschichten sind der Grund, warum wir Kinder auf Handball bringen wollen.“ Für die Statistik blieb nur ein Makel: Langenselbold kassierte durch einen Siebenmeter in letzter Sekunde den Klassenunterschied – 30:34.
Trainer Oliver Betz nahm’s mit Humor: „Wir haben verloren, aber das Nordlicht mitgenommen. Nächstes Jahr schlagen wir zurück – vielleicht wieder hier.“ Die Crew um Habenstein sammelte sich noch lange im Fan-Block, statt zu duschen ließen sie sich Autogramme auf alte Schuhkartons schreiben. Der DHB wird die Partie nicht in den Annalen führen, doch für jeden, der dabei war, beginnt künftig jede Saison mit einem Satz: „Erinnerst du dich an Kiel?“
