Bettiol triumphiert: ein triumph zweier jahre!
Verbania – Ein Mann der Geduld, ein Mann des Vollschlags: Alberto Bettiol hat das 13. Etappenrennen der Giro d'Italia in Verbania gewonnen. Nach zwei Jahren ohne Monument-Sieg ist der Italiener zurück – und das mit einem beeindruckenden Solo.

Ein romantiker im peloton
Bettiol ist kein Mann der reinen Watt-Analyse. Er verkörpert einen fast vergessenen Cirkelsport-Stil, eine Art Romantik, die sich dem gnadenlosen Daten-Diktat entzieht. Seine Siege sind keine mathematisch exakten Resultate, sondern das Ergebnis von Gefühl, Instinkt und einer gehörigen Portion Glück. Wie er selbst nach dem Sieg bemerkte: „Ich gewinne alle zwei Jahre? Ja, aber wenn die Erfolge so schön sind, dann lohnt sich das Warten.“
Der Triumph in Verbania ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass Bettiol in der Vergangenheit oft mit fehlender Konstanz zu kämpfen hatte. Nach dem Gewinn des Giro delle Fiandre 2019, einem Monument, das ihn in den Olymp des Radsports katapultierte, folgten Jahre mit Höhen und Tiefen. Der Rücktritt von Größen wie Vincenzo Nibali und Sonny Colbrelli ließ ihn als einzigen aktiven italienischen Monument-Sieger zurück. Doch Bettiol hat sich stets neu erfunden, seine Schwächen analysiert und an seinen Stärken gearbeitet.
Die Taktik des Tages erinnerte an eine umgekehrte Szene aus dem Tour de France 2022, als Bettiol selbst in einer Bergankunft versuchte, Michael Matthews zu distanzieren, scheiterte aber letztendlich. Diesmal war es anders. Bettiol wählte den richtigen Moment für seinen Ausreißversuch, nutzte das Terrain zu seinem Vorteil und hielt seine Konkurrenten hinter sich. Ein besonderer Anreiz war sicherlich auch die Anwesenheit seiner Partnerin Lisa, die in der Region wohnt.
Seine Klasse ist unverkennbar. Bettiol hat das Talent, mehr zu erreichen, aber er scheint mit weniger Siegen glücklicher zu sein. Der Gewinn des Giro delle Fiandre vor sieben Jahren war ein Statement: „Habt mich endlich erkannt! Ich habe gewonnen.“ Seitdem hat sich der Radsport verändert, dominiert von einer Handvoll Superstars wie Tadej Pogacar, die den Rest des Feldes kaum noch mitbieten lassen. Doch Bettiol hat bewiesen, dass auch er in dieser Ära erfolgreich sein kann. Der Jubel am Ziel, die Umarmung seiner Liebsten – das waren Momente, die er sich sicher lange in Erinnerung behalten wird.
Mit 32,5 Jahren ist Bettiol noch lange nicht am Ende seiner Karriere angelangt. Er besitzt eine Qualität, die sich nicht trainieren lässt: Klasse. Und das ist es, was ihn auszeichnet. Nach diesem Triumph in Verbania gibt es keinen Grund, sich einzuschränken. Die nächste große Leistung lässt nicht allzu lange auf sich warten.
