Betis verläsnt san mamés mit leeren händen – ortiz droht ausfall
Der Real Betis hat sich von der Kathedrale von Bilbao nicht mit einem Punkt, sondern mit neuer Sorge verabschiedet. Athletic Club fegte die Andalusier mit 2:1 beiseite und schickte sie mit einem frisch gezerrten Schultergelenk im Gepäck nach Hause. Ángel Ortiz, 21, nur wegen der Verletzungsmisere in die Startelf gerutscht, landete nach einem Zweikampf mit Alex Berenguer auf dem rechten Arm – und blieb liegen.
Die Bilder waren eindeutig: Ortiz schrie, riss die Hand ans Schulterblatt, wurde betreut, stand trotzdem wieder auf. 25 Minuten lang spielte er weiter, als hätte er Angst, das einzige Erfolgserlebnis des Tages zu verpassen. Doch in der Kabine gab es kein Weiter: Der Arm hing nutzlos herab, das Kinn auf der Brust. Héctor Bellerín übernahm, Ortiz verließ San Mamés mit der rechten Hand in einer Schlinge – erste Diagnose: mögliche Klavikulasubluxation.
Die zahlen sprechen gegen betis
Das erste Drittel der Saison ist noch nicht vorbei, dennoch wirkt die Kaderliste schon wie ein Lazarettbericht. Mit Giovani Lo Celso und Isco fehlten zwei Kreativchefs, nun gesellt sich Ortiz dazu. Trainer Manuel Pellegrini bestätigte zwar, dass Lo Celso diese Woche wieder mit der Mannschaft trainiert, doch das beruhigt nur bedingt: Der Argentinier wird frühestens nach der Länderspielpause gegen Espanyol zum Kader stoßen, Isco trabt weiter im Schongang, ohne Termin für sein Comeback.
Die Partie selbst war ein Lehrstück darüber, wie schnell sich eine Saison entzweien kann. Athletic drückte von der ersten Minute, Betis wirkte wie ein Kollektiv mit zu kurzen Leinen. Bereits nach 23 Minuten lag das Team zurück – und hätte noch vor dem Pausenpfiff höher hintenliegen können. Nur einmal fand Borja Iglesias die Lücke, doch der Anschlusstreffer in der 63. Minute blieb folgenlos.

San mamés straft pellegrinis plan ab
Der Coach hatte auf Rotation gesetzt, Ortiz neben German Pezzella und Edgar González in eine Abwehr gestellt, die in dieser Formation noch nie zusammengespielt hatte. Das Ergebnis: Lücken wie in einem alten Zaun, dazu 13 Ballverluste im eigenen Drittel – neue Saisonbestmarke. Athletic nutzte jeden Fehlpass, um die Außenbahnen zu überrollen, während Betis’ Mittelfeld den Ball zwar sah, ihn aber nicht mehr berühren durfte.
Jetzt droht der Kader zu kochen: In elf Tagen wartet Espanyol in der Estadio de La Cartuja, danach kommt Real Madrid. Ohne Lo Celso, ohne Isco, möglicherweise auch ohne Ortiz. Die Schulteruntersuchung in Sevilla entscheidet, wie lange der Youngster ausfällt – und ob Pellegrini im Winter doch noch auf dem Transfermarkt stöbern muss.
Die Botschaft von Bilbao ist klar: Wer in San Mamés nur halb auftaucht, wird mit Schmerz und Null Punkten bestraft. Für Betis beginnt jetzt die Wahrheitswoche – und sie beginnt mit einem Klicken in der rechten Schulter eines 21-Jährigen, der sich für sein Herz entschied – und dafür mit dem Arm zahlt.
