Bern rüstet sich fürs leben nach alvyn sanches

Die Stadt schwärmt noch von seinen Dribblings, doch im Büro von Matteo Di Giusto klingelt das Telefon schon jetzt. Die Young Boys haben Luzerns Shootingstar an die Spitze ihrer Einkaufsliste gesetzt, falls Alvyn Sanches den Sprung ins Ausland wagt.

Ein kreuzbandriss, ein comeback, ein abflug

Sanches war vorgestern noch ein halbes Jahr auf Krücken, heute ist er der meistgeschaute Mann der Super League. Zwölf Scorerpunkte in 16 Runden nach seiner Rückkehr – solche Zahlen schreiben europäische Klubs auf die Kurzliste. Beraterkreise sprechen von Spanien und Italien, ein Vorbereitungsstart ohne den 21-Jährigen gilt in Bern als realistisches Szenario.

Deswegen flackert auf den Monitoren im Wylerpark ein anderes Video: Di Giusto trifft gegen St. Gallen per Hacke, Di Giusto legt gegen Basel das 3:1 auf, Di Giusto sprintet 70 Meter, um einen Konter zu retten. 24 Torbeteiligungen in 31 Spielen – mehr hat kein Schweizer Feldspieler in dieser Saison.

Vom zürcher leihstall zum millionenobjekt

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Die Geschichte klingt nach Märchen, ist aber ein Lehrstück über Geduld. Zweieinhalb Jahre lang schleppte Di Giusto sich durch Leihen bei Vaduz und Winterthur, während der FCZ seine Option nicht zog. Luzern gab ihm eine zweite Heimat, er antwortete mit Toren in Serie. Nun liegt eine Ausstiegsklausel bei acht Millionen Euro im Raum, für YB ein Schnäppchen, wenn sie Sanches für das Dreifache verkaufen.

TV-Experte Admir Mehmedi ging noch weiter: „Matteo gehört in die Nati, nicht nur auf die Ersatzbank von YB.“ Dabei schlägt er Joël Monteiro, den teuren YB-Flügelflitzer, in fast jeder Statistik. Die Botschaft ist klar: Wer Di Giusto holt, bekommt kein Projekt, sondern eine Fertigware.

FC-Luzern-Sportchef Stefan Wolf weiß um die Gerüchte und lächelt nur. „Vertrag bis 2028“, sagt er, doch dahinter steckt ein Seitenhieb: „Wir sind kein Sprungbrett, wir wollen Europacup spielen.“ Die Aussage klingt nach Preisschild, nicht nach Absage.

Für Sanches bleibt die Frage, wie lange er seine Koffer noch offen lässt. Die Scouts von Atalanta und Valencia sitzen bereits in der Tribune, sein Berater reist diese Woche nach Mailand. Ein Wechsel wäre logisch – und für YB die Chance, aus Verkauf plus Ersatz einen satten Gewinn zu schreiben.

Bis dahin schießt Di Giusto weiter. Am Samstag erwartet Luzern den FC Winterthur, die Berner Beobachter werden wieder dabei sein. Sie wissen: Wer sieben Monate nach einem Kreuzbandriss die Liga entflammt, der kann auch den nächsten Schritt wagen. Und wer in der Lage ist, Sanches zu ersetzen, der hat längst die Größe, um selbst Geschichte zu schreiben.