Berliner wm-stimmung: mehr als nur fußball?
Die FIFA Fußball-WM hat begonnen, und während Mexiko mit einem furiosen Auftritt für Aufsehen sorgt, stellt sich in Berlin die Frage: Wo ist die erwartete Euphorie? Der frühe Blick auf das Public Viewing zeigt ein gemischtes Bild – zwischen Hoffnung, Kritik und dem unverkennbaren mexikanischen Temperament.

Die suche nach dem berliner fußballfieber
Es war die Frage, die mich am späten Donnerstagabend auf die Straße trieb: Ist Berlin bereit für die Weltmeisterschaft? Die Eröffnungsspiele, insbesondere das Spiel zwischen Mexiko und Südafrika, sollten eigentlich ein Indikator für die Stimmung sein. Doch die U-Bahnfahrt offenbarte zunächst Ernüchterung. Wo waren die erwarteten Trikots, die Fahnen, die Gesänge? Nur vereinzelt blitze die Hoffnung in Form eines Union-Fans auf.
Als ich schließlich das Public Viewing in Berlin-Mitte erreichte, schien sich die Situation langsam zu wandeln. Eine mexikanische Bar hatte ihre Pforten geöffnet, und schon eine Stunde vor dem Anpfiff tummelten sich zahlreiche Fans in grün-gelben Farben. Der Duft von Tacos und Tapas lag in der Luft, und die Stimmung war ausgelassen – ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte.
Doch es gibt auch Schattenseiten: Die Eröffnungsfeier wurde von Buhrufen begleitet, zunächst aufgrund technischer Probleme, dann als Reaktion auf die Präsentation der Flaggen der Gastgeberländer. Die Kritik an der FIFA und den Rahmenbedingungen der WM ist allgegenwärtig. Lehrer in Mexiko protestieren gegen die Umverteilung von Geldern, und Bilder von zerstörten Fußballer-Statuen machen die Runde.
Die La-Ola-Welle schwappte durch den Innenraum, als Mexiko schließlich mit einem frühen Treffer in Führung ging. Der Jubel war grenzenlos, die Freude über den gelungenen Auftakt unübersehbar. Doch der Fußball ist längst nicht mehr nur ein Spiel. Er ist Spiegelbild gesellschaftlicher Konflikte und politischer Entscheidungen, die weit über den Rasen hinausreichen.
Die WM in Berlin wird daher nicht nur ein Fest des Fußballs, sondern auch ein Spiegelbild der komplexen Welt, in der wir leben. Es bleibt abzuwarten, ob die Begeisterung für den Sport die Schattenseiten überlagern kann. Der mexikanische Auftakterfolg lässt jedoch hoffen: Die WM-Stimmung in Berlin ist da – sie will nur noch gefunden werden.
