Berliner ingenieure schrauben paralympics-schlitten für wicker auf 2,35 kg runter

2,35 Kilo – das ist kein Tippfehler. So viel wiegt der neue Sitzschlitten von Anja Wicker, mit dem sie ab Samstag in Tesero um Medaillen kämpft. Ein Viertel weniger Masse als bisher, dafür ein Viertel mehr Druck auf die Konkurrenz.

Carbon statt aluminium – jede faser zählt

Das Berliner Forschungsinstitut FES, das schon Bob und Skeleton in Peking geadelt hat, verfrachtet seine Carbon-Expertur erstmals ins Paralympics-Geschäft. Über zweieinhalb Jahre bastelten Ingenieure und Athletin an einem Modell, das nicht einfach leichter ist, sondern Wickers Körpergeometrie bis auf den Millimeter abbildet: eine Fußmulde, eine Hüftschale, eine Schulterstütze – alles aus kohlefaserverstärktem Kunststoff, der sich wie ein zweites Skelett um ihren Oberkörper schmiegt.

Das Ergebnis: ein Schlitten, der in Wechselspuren nicht mehr wegdriftet, bei Spurwechseln nicht mehr kippelt und im tiefen Pulverschnee nicht mehr versackt. „Ich spüre den Unterschied vor allem in der zweiten Runde, wenn die Arme eigentlich schon brennen“, sagt Wicker. „Statt gegen das Gerät kämpfe ich jetzt gegen die Uhr.“

Gold von sotschi reicht 2026 nicht mehr

2014 lachte das Regress-Syndrom noch mit ihr: Gold im 12,5 km-Rennen, drei Silber obendrauf. Doch die Gegnerinnen aus den USA, der Ukraine und China haben ihre eigenen Labore. „Die haben inzwischen Rennmaschinen, die aussehen wie Kampfjets“, sagt Bundestrainer Ralf Rombach. „Unser Vorteil: Wir sind früher fertig und haben ein Regelwerk, das wir noch ausreizen können.“

Die Weltcup-Bilanz der Saison liest sich schon wie eine Kampfansage: zwei Siege, drei Podestplätze, die rote Wertungsfüherschaft. Doch die echte Probe startet am Wochenende in Tesero, wo der Schnee weich und tief wird – genau das Terrain, für das der Carbon-Schlitten konstruiert wurde.

Die Uhr tickt. In 18 Monaten sind die Winterspiele in Mailand und Cortina. Wicker ist 34, jede Saison kann die letzte sein. „Ich will nicht mehr bloß teilnehmen“, sagt sie. „Ich will, dass die anderen sich fragen: Was hat die eigentlich unter dem Hintern?“