Berlin wird zur welthauptstadt des tanzsports: 800 paare kämpfen um em-thron

Rosina Witzsche und Thomas Lennefer wissen, was Sache ist. Vor drei Monaten schnappten sie sich den Nordeuropameister-Titel, jetzt wollen die Berliner Latein-Tänzer vor heimischem Publikum den großen Wurf landen: Europameister werden.

Die Max-Schmeling-Halle verwandelt sich vom 20. bis 22. März in einen brodelnden Hexenkessel. 15 Weltranglistenturniere, zwei EM-Entscheidungen, rund 800 Paare – das Berlin Dance Festival ist die härteste Tanz-Prüfung außerhalb einer WM. „Hier trifft sich die internationale Spitzenklasse“, sagt Rainer Kunze, Pressesprecher des Landestanzsportverbands. Er rechnet mit bis zu 2.000 Zuschauern pro Tag – eine stattliche Zahl für einen Sport, der sich selbst gern als Nische bezeichnet.

Spanien und ungarn liefern die angstgegner

Lennefer schätzt die Konkurrenz realistisch ein: „Sehr viele starke Paare, teilweise aus Spanien und Ungarn.“ Die Devise lautet: Keine Gnade auf dem Parkett. Denn wer in Berlin tanzt, tanzt nicht nur für Punkte, sondern für Ansehen. Die WDSF-Rangliste verzeiht keinen Fehltritt, ein verpatzter Auftritt kann die Saison versenken.

Die beiden trainieren im Blau-Silber Berlin Tanzsportclub, seit drei Jahren bilden sie ein Paar. Neben dem Training pendelt Lennefer zwischen Job und Familie – er ist hauptberuflich Psychologe. „Der Ausgleich zum Büroalltag ist goldwert“, sagt er. Witzsche ergänzt: „Wenn es gut läuft, spüren wir auf der Fläche die gleiche Energie – egal wie unterschiedlich wir im Alltag sind.“

Am samstag steigt das „kleine wm-finale“

Am samstag steigt das „kleine wm-finale“

Höhepunkt für Standard-Fans: das „World Open Standard Adult“ am Samstag. Yahor Boldysh und Irina Averina, die Deutschen Meister, liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den besten Europäern. Kunze nennt das Turnier „eine kleine Weltmeisterschaft“. Am Sonntag folgt das Pendant im Latein-Tanz, das „International Open Latin Adult“, mit den deutschen Spitzenreitern Artur Balandin und Anna Salita.

Die Organisatoren arbeiten komplett ehrenamtlich. Kunze lacht: „Berlin ist ehrenamtlich und übersättigt – eine explosive Mischung.“ Trotzdem bleibt der Optimismus. Die Tickets verkaufen sich zügig, die Live-Streams der Sportschau ziehen Tausende Zuschauer. Wer jetzt noch zögert, verpasst vielleicht den Tanz der Saison.

Die Uhr tickt. In 72 Stunden entscheidet sich, ob Witzsche und Lennefer ihren Traum wahrmachen. Lennefer blickt entschlossen: „Wir wollen vor unseren Familien und Fans tanzen – und dann oben auf dem Treppchen stehen.“ Die Halle wird beben, die Absätze klicken, das Publikum toben. Berlin tanzt. Und die Elite der Welt tanzt mit.