Berlin wird zur sprint-wm: mihambo jagt rekord, 19-jährige fordert mccoy
Am Freitag schlägt die Uber Arena wieder den Herzschlag der Leichtathletik – und der schlägt schneller als je zuvor. 6,49 Sekunden hat Jeremiah Azu in der Halle gebraucht, um sich die Welt zu erklären; 7,17 Sekunden brauchte Philina Schwartz, um sich ein Ticket nach Torun zu sichern. Jetzt treffen beide in Berlin aufeinander, und zwischen den Zeiten liegt eine ganze Nacht, in der sich die Bestmarken drehen können.
Mihambos sechster sieg wäre ein vorentscheid
Malaika Mihambo ist siebenmal ins ISTAF Indoor gestartet, sechsmal gewonnen. Die einzige, die sie stoppte, war Khaddi Sagna 2022 – und genau die Schwedin steht wieder in der Startliste. Dahinter lauert Hilary Kpatcha, die Französin, die in der Halle schon zwei EM-Titel hat und ihre Saisonbeste von 6,80 m vor drei Wochen in Metz zeigte. Für Mihambo geht es nicht nur um den Sieg, sondern um die 7,10 m-Marke, die sie in der Halle noch nie berührt hat. Ein Sprung über diese Grenze würde sie zur klaren Favoritin für die WM in Tokio machen.
Yemisi Ogunleye dagegen hat schon bewiesen, dass sie Großes tragen kann. 20,37 m in Dortmund – das war nicht nur ihre neue Bestleistung, sondern auch die zweitweiteste Weite der Hallen-Weltjahresbestenliste. Gegen Jessica Schilder, die Niederländerin, die in Glasgow mit 20,47 m die Hallen-WM gewann, wird sie nun die Kugel erneut zum Sprechen bringen. Die Arena erwartet einen Kampf über 60 cm, der sich in Zentimetern entscheiden könnte.

Die berlinerin, die das stadion zum kochen bringt
Philina Schwartz ist 19, studiert neben dem Training und trägt trotzdem die schnellsten deutschen Schuhe. Ihre 7,17 s sind keine Glanzleistung mehr, sondern ihr neues Normal. Gegen Maia McCoy, die letztes Jahr Gina Lückenkemper in Berlin schlug, will sie nun den ersten internationalen Sieg einfahren. Die US-Amerikanerin ist mit 7,08 s gemeldet, doch Schwartz hat das Publikum im Rücken – und das kann in der Halle mehr bedeuten als ein Zehntel.
Lisa Marie Kwayie und Delisha Benelisa Domingos komplettieren das Berlin-Trio über 60 m. Beide haben die 7,30 s unterboten, beide wissen, dass ein einziger perfekter Start reicht, um ins Finale einzuziehen. Die Uhr tickt, die Lichter flackern, und die Stille vor dem Start ist so dicht, dass man das Herzschlagen der Läuferinnen hören kann.

Tickets sind da, die spitze nicht
Die Uber Arena ist nicht ausverkauft – ein Novum bei einem ISTAF Indoor. Die günstigsten Karten kosten 24,60 Euro, die teuersten 89 Euro. Das ZDF überträgt ab 18:15 Uhr live, doch wer nicht vor Ort ist, verpasst das Tosen, wenn die Hallendecke zu kribbeln beginnt. Die Profis starten um 17:35 Uhr, die letzte Kugel fliegt um 21:10 Uhr. Um 22:20 Uhr stehen die Sieger fest – und einer von ihnen wird Geschichte schreiben, egal ob mit einem Zehntel oder einem Zentimeter.
Die Leichtathletik braucht keine Show, sie ist die Show. Und Berlin ist bereit, die beste Bühne zu bieten.
