Berlin volleys feiern rekord-titel und reißen kader auseinander

Die Berlin Volleys haben gerade ihren zehnten Meistertitel in Serie geholt – und kündigen Sekunden später ein radikales Blutbad an. Jake Hanes, der mit 511 Punkten bester Angreifer der Liga, sucht ein neues Zuhause. Mit ihm verschwinden mindestens sechs weitere Leistungsträger aus der Hauptstadt, darunter Publikumsliebling Nehemiah Mote und Nationalspieler Moritz Reichert.

Die säulen bleiben stehen

Kapitän Ruben Schott und MVP Florian Krage-Brewitz bleiben. Das Duo sichert Kontinuität, während Manager Kaweh Niroomand den Rest neu erfindet. Aus Friedrichshafen kommt Mittelblocker Louis Kunstmann, Libero Erik Shoji kehrt nach zehn Jahren zurück – ein Transfer mit Gefühl, denn der US-Boy war 2016 mit dem ersten Double der Klubgeschichte Teil des Teams.

Die Saison war ein Schaulaufen mit Stolpersteinen. „Wir haben zu oft mit offenem Visier verloren“, sagt Niroomand. Die Volleys kassierten fünf Niederlagen in der Hauptrunde, die meisten seit 2018. Dennoch lieferten sie in der Finalserie gegen SVG Lüneburg eine Demonstration ab: 3:0, 3:1, 3:0 – keine Spur von Nervosität.

Trainer-frage offen, machtwort fällig

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Die größte Baustelle steht noch: Wer übernimmt das Kommando? Alexandre Leal war in den Playoffs wegen familiärer Not abgetreten, Co-Trainer Markus Steuerwald führte improvisiert zur Meisterschaft, wechselt nun aber zu den Grizzlies Giesen. Niroomand nennt keine Namen, aber er lässt durchblick: „Wir wollen jemanden, der Taktik versteht und Menschen führen kann – beides gleichzeitig.“

Die Spielerabgänge sparen Gehalt, schaffen aber auch Lücken. Hanes‘ Punkteausbeute macht 23 Prozent des Gesamtangriffs aus, Motes Blockquote lag bei 0,59 pro Satz. Zu ersetzen sind nicht nur Zahlen, sondern Identität. Niroomand weiß: „Wir bauen nicht einfach neu, wir schreiben ein neues Kapitel.“

Die Fans reagieren gemischt. Auf Twitter feiern einige die Kühnheit, andere fürchten ein Ende der Dominie. Die Bilanz: 10 Meisterschaften, 8 Pokalsiege, 386 Siege in Folge gegen deutsche Konkurrenz. Die nächste Saison beginnt am 2. Oktober – bis dahin muss das Rätsel um Trainer und Team stehen. Die Uhr tickt laut in der Arena am Europaplatz.