Berlin debacle: wehrlein zerstörter reifen, müller raubt sich den ersten sieg
Pascal Wehrlein kam als Jäger, fuhr als Gejagter und verließ die berlin-Tempelhofer Bahn als Zuschauer. Ein geplatzter Reifen warf den Titelverteidiger beim Formel-E-Double-Header auf Platz 19, während Teamkollege Nico Müller sich endlich die Krone holte – und das vor heimischem Publikum.
Reifenplatzer löst porsche-drama aus
Die Nummer 94 lag in Reichweite des Podests, als sich Runde 22 anfühlte wie ein Boxenstopp ohne Box. Hinten rechts platzte der Gummi, Wehrlein schlitterte ins Kiesbett, die Punkte wehten davon. „Ich habe nur noch das Knattern gehört, dann war klar: berlin wartet weiter auf mich“, sagte er nach dem Rennen mit zerknitterter Cap. Die Statistik: seit 2014 keine Berlin-Flagge für den deutschen Champion.
Porsche reagierte sofort. Strategiechef Florian Modlinger schaltete den Plan-B-Modus: „Wir haben Nico freie Hand gegeben, die Energie bis zum letzten Watt zu nutzen.“ Der Schweizer nutzte sie. Mit 1,8 Sekunden Vorsprung vor Nick Cassidy raste er auf die oberste Stufe – und ließ sich von seinen Mechanikern in einer Gruppenumarmung verschlingen, als wäre der Weltmeisterpokal schon eingepackt.

Müller entlässt die geister
Der 33-Jährige hatte in 84 Rennen nie gewonnen. In Berlin wurde er zum Schweizer Säbel, der die deutsche Hauptstadt erobert. „Ich träume seit 2019 von diesem Moment“, sagte er mit Tränen in der Stimme. „Porsche hat mir nach meiner Verletzung 2021 einen zweiten Frühling geschenkt – heute habe ich die Rechnung beglichen.“
Die Rechnung für Wehrlein sieht anders aus. Mit null Punkten am Samstag schrumpft sein Polster in der Gesamtwertung auf neun Zähler. Oliver Rowland, der mit Platz drei den Podesthattrick perfekt machte, atmet auf. „Jeder Punkt zählt, aber wir haben gesehen, wie schnell das Pech zuschlagen kann“, sagte der Brite.
Maximilian Günther musste sich mit Rang 11 begnügen. Der DS-Penske-Pilot war nach einem frühen Kontakt mit den Banden auf Sicherheitsfahrzeug-Modus umgeschaltet. „Berlin ist mein Wohnzimmer, aber heute habe ich nur die Vorrunde gesäubert“, kommentierte er trocken.

Sonntag wird zur schadensbegrenzung
Um 11.40 Uhr startet das Qualifying, um 16 Uhr das Rennen. Wehrlein muss mindestens aufs Podium, will er die Meisterschaft nicht aus der Hand geben. Porsche-Sportchef Thomas Laudenbach drückt die Daumen – und die Zahlen: „Unsere Long-Run-Simulation sieht gut aus, aber Berlin ist ein Roulette mit 22 Kugeln.“
Die Fans werden wieder auf den Tribünen sitzen, die Temperatur steigt, der Asphalt glüht. Für Wehrlein bleibt nur eine einfache Rechnung: siegen oder schwitzen. Alles andere wäre ein zweiter geplatzter Reifen – diesmal im Kopf.
