Ben seghir kehrt zurück: leverkusens teurer geisterfahrer soll jetzt den knoten zerhacken

32 Millionen Euro für 200 Bundesliga-Minuten. Eliesse Ben Seghir war Leverkusens teuerstes Fragezeichen, nun kehrt der Marokkaner von einer Sprunggelenkspause zurück – und genau in dem Moment, in dem die Werkself wieder einen Schalke-Modus entwickelt: viel Ball, wenig Durchschlag.

Die winter-leihe platzte – und bewahrte den klub vor dem nächsten echeverri

Im Januar lag die Rückkehr zu Monaco bereits auf dem Tisch. Die Regularien retteten Bayer: Weil Ben Seghir bereits in dieser Saison für die Monegassen spielte, wäre ein dritter Klub verboten gewesen. Also blieb er – und verletzte sich kurz darauf im Afrika-Cup-Finale. Das klingt nach Pech, war aber ein Glücksfall. Denn wer weiß, wie lange es gedauert hätte, bis ein Nachfolger von Claudio Echeverri wieder an die Weser zurückkehrt. Der Argentinier wurde nach 90 Tagen abgeschrieben, Ben Seghir bekam stattdessen eine Zwangspause und damit eine zweite Chance.

Die Statistik, die Kasper Hjulmand nicht mehr ignorieren kann: In nur 405 Minuten absolvierte Ben Seghir sechs erfolgreiche Dribblings – eine Erfolgsquote von 55 Prozent, identisch mit Ibrahim Maza, dem einzigen anderen Akteur, der in Leverkusens zuletzt ideenlosen Angriffsbemühungen noch Unordnung stiftet. Der Unterschied: Maza muss das Spiel alleine tragen, Ben Seghir kann ihn entlasten. Oder besser: muss.

Der plan: ein einzelner soll die kollektiv-passivität sprengen

Der plan: ein einzelner soll die kollektiv-passivität sprengen

Die Bilder der letzten Wochen sind eindeutig. Selbst beim 3:3 in Freiburg und gegen Heidenheim schlichen die Leverkusener in Ballbesitz-Szene um Szene in die Hälfte des Gegners, warteten auf den Impuls – und fanden keinen. Gegen neun Bayern reichte es gerade noch zum 1:1, beim 2:2 in Bochum war nach der 2:0-Führung wieder dasselbe Muster: Wer hinten den ersten Fehler macht, läuft hinterher. Hjulmand braucht jemanden, der das nicht akzeptiert. Jemanden, der auch mal in die zweite Rei dribbelt, statt quer zu pasieren.

Ben Seghirs Problem: Er war genau dieser Spieler, als Bayer ihn holte. Dann kam der Schambein-Infekt, dann die Nicht-Noten von 4,5 und 5, dann die Reservistenrolle. Die Verletzung zwang ihn, sich neu aufzuladen. Die Frage ist nicht, ob er kann – er muss. Denn die nächsten Gegner heißen Frankfurt, Dortmund und Leipzig. Drei Teams, die sich nicht einschüchtern lassen, wenn sie 70 Minuten lang laufen müssen.

Wenn Ben Seghir heute gegen Bremen sein Comeback gibt, wird er kein Wunder vollbringen. Aber er könnte den einen Dribbling starten, der die Abwehrkette ein Meter nach hinten zwingt – und genau diesen Meter braucht Leverkusen derzeit mehr als jeden Punkt.