Ben farhat pulverisiert magdeburg: zwei kunstschüsse, ein teenager und die ksc-wende
Ein 19-Jähriger schlug Magdeburg mit zwei Schlägen in die Knie – und den Karlsruher SC aus dem Krisenmodus. Louey Ben Farhat traf einmal durch die gegnerische Innenverteidigung tanzend, einmal per Drehschuss aus unmöglichem Winkel. 3:1 im MDCC-Arena-Kessel, zweiter Sieg in Serie, Trainer Christian Eichner atmet auf.
Die tore, die die diskussion begraben
20. Minute: Gnaka verliert den Ball, Kapitän Wanitzek spielt steil, Ben Farhat lässt Hugonet aussteigen, zieht aus 14 Metern in den linken Winkel. 53. Minute: Burnic-Ball mit der Hacke genommen, halbe Drehung, volle Kanne rechts oben. Saisontore drei und vier – beide lagen zwischen Kunst und Frechheit. Magdeburgs Defensive wirkte nach dem zweiten Gegenschlag wie betaubt, die 25.000 im Stadion verstummten abrupt.
Hinter dem Juwel steckt mehr als nur Momentform. Der Mittelfußbruch zu Saisonbeginn hatte ihn zwölf Wochen lahm gelegt, die Bank war voll, der Stuhl von Eichner wackelte. Jetzt pendelt sich die Ergebniskurve des KSC genau entgegen dem erwarteten Trend: statt Abstiegskampf Rang acht, 33 Punkte, drei Zähler Vorsprung auf Dresden. „Das Pendel schlägt auf unsere Seite um“, sagt der Coach und meint damit nicht nur die Tabelle, sondern die Stimmung im Wildparkstadion.

Tunesischer turbo und ein plan, der aufgeht
Ben Farhats Laufwege sind inzwischen Lehrbuchstoff für die KSC-Nachwuchstrainer: diagonal öffnen, sofort in die Schnittstelle, dann entweder Flügelzelle oder Solo. Gegen Magdeburg wählte er beide Varianten. „Er zahlt voll auf unsere Strategie ein“, schwärmt Eichner, „die Leute lieben ihn, weil er Gas gibt, statt zu glänzen.“ Dabei steht das Talent längst im Blickfeld der tunesischen A-Nationalmannschaft; ein erstes Lehrgangs-Telefonat mit Coach Jalel Kadri fand vor zwei Wochen statt.
Die Zahlen sprechen klare Sprache: Seit Ben Farhats Comeback Mitte Januar holte Karlsruhe 14 von 21 möglichen Punkten, vorher nur 19 aus 17 Spielen. Die Effizienz vor dem Tor stieg von 0,9 auf 1,6 Tore pro Partie. Sport-Geschäftsführer Mario Eggimann, der Eichner öffentlich Rückendeckung gab, als dessen Stuhl zu wackeln schien, atmet auf: „Wir haben nie gezögert, auf Eigengewächse zu setzen. Jetzt zeigt sich, warum.“

Ausblick: dresden wartet, der glaube ist zurück
Am 8. März gastiert Dynamo Dresden im Wildparkstadion, ein Sechs-Punkte-Spiel im unteren Tabellendrittel. Ben Farhat will nachlegen: „Wir wollen jedes Spiel gewinnen, nicht nur für den Klassenerhalt, sondern für uns.“ Die Fans haben ihn längst adoptiert; mit jedem Tor wächst die Choreografie, mit jedem Sieg der Glaube an eine Saison, die vor dem Magdeburg-Abend noch wie beendet schien.
Die Kapitänsbinde trägt noch Wanitzek, doch der Mann, der den Ball durch die Lücke spielte, weiß: Der 19-Jährige neben ihm wird bald die Anführerrolle übernehmen – wenn nicht auf dem Platz, dann durch Tore wie diese. Magdeburg war der Beweis, dass sich Geduld rechnet und ein einzelner Spieler eine ganze Saison wenden kann. Der KSC ist zurück – und er hat ein Gesicht: Louey Ben Farhat.
