Belén läuft: marathon trotzt besatzung und leid

Ein Zeichen des Widerstands und der Hoffnung: Inmitten anhaltender Konflikte und wirtschaftlicher Not wird morgen in Belén der zehnten Marathon ausgetragen. Eine Strecke, die nicht nur körperliche Ausdauer fordert, sondern auch auf die alltäglichen Beschränkungen der palästinensischen Bevölkerung aufmerksam macht.

Ein wettlauf gegen mauern und barrieren

Ein wettlauf gegen mauern und barrieren

Die Idee, 2013 geboren, hat sich zu einer Plattform entwickelt, um die Welt auf die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit in der Besatzungszone aufmerksam zu machen. Rund 1.000 Militärposten und Barrieren erschweren das Leben der Palästinenser – und das spiegelt sich in der ungewöhnlichen Streckenführung wider: 42 Kilometer, aufgeteilt in zwei Runden um die israelische Trennmauer. Start und Ziel befinden sich auf dem zentralen Platz vor der Geburtskirche, dem Herzen der Altstadt von Belén.

„Dieser Marathon ist mehr als nur ein Sportevent“, betonte Anton Marqos, Vorsitzender des Gemeindeausschusses von Belén, in einer Pressekonferenz. „Er dient als kulturelle Plattform, um die Botschaft eines würdigen Lebens für das palästinensische Volk zu vermitteln.“ Nach Jahren des wirtschaftlichen Niedergangs, verursacht durch den fehlenden Tourismus, möchte die Stadt ihre Türen wieder öffnen und sich als sicherer Ort präsentieren.

Obwohl die Veranstaltung keine globale Aufmerksamkeit erlangt hat, beteiligen sich regelmäßig auch internationale Läufer. Die Zahl der Teilnehmer schwankt meist um die 2.000 bis 3.000 Sportler.

Doch die Realität ist hart. Vor dem israelischen Beschuss im Oktober 2023 konnten Läufer aus Gaza noch gelegentlich das Gebiet verlassen, um an dem Rennen teilzunehmen. Dies ist dieses Jahr nicht möglich. Die Zahl der Todesopfer im Gazastreifen – über 72.600, darunter viele Studenten, Sportler und über 21.000 Kinder – ist ein düsterer Hintergrund für das Sportereignis.

Ergänzend zur Live-Veranstaltung gibt es dieses Jahr auch eine virtuelle Marathonvariante, die bereits zwischen dem 17. und 21. April 2026 in verschiedenen Ländern stattfinden wird. Im April fand zudem ein 4-Kilometer-Lauf im Gazastreifen statt, an dem rund 300 Menschen teilnahmen.

Der Marathon in Belén ist somit mehr als nur ein Wettkampf. Er ist ein Symbol für Widerstand, Hoffnung und den unbändigen Wunsch nach einem würdigen Leben – ein Rennen gegen Mauern, Barrieren und das Leid, das die palästinensische Bevölkerung täglich erfährt. Die Bilder von Läufern, die an der Trennmauer vorbeihuschen, werden die Welt noch lange in Erinnerung behalten.