Beier will abseits abschaffen – und lobt den stillen hüter der bvb-defensive

Maximilian Beier schlägt den Fußball um. „Meine Abwärtler werden mich dafür verfluchen, aber ich würde das Abseits abschaffen – ganz egoistisch gedacht“, sagt der BVB-Angreifer und lässt die Katze auf dem Tisch. Mehr Tore, mehr Tempo, mehr Spektakel. Die Gegenseite? Egal. Der 23-Jährige will einfach, dass der Ball zappelt.

Beier spricht mit der FAZ, und schon nach dem ersten Satz ist klar: Dieses Interview wird kein Standard. Er weiß, dass seine Idee die Abwehr in den Wahnsinn treiben würde. „Es würden mehr Tore fallen vermutlich, das Spiel dadurch auch etwas dynamischer werden“, begründet er seinen Vorstoß. Dann lacht er, ein kleines Geständnis: „Aber ich gewinne schon gern auch Spiele zu null, so ist’s nicht!“

Anton ist der unsichtbare chef

Wer die Null hält, ist Waldemar Anton. Beier nennt ihn beim Vornamen, als würde er einen Kumpel loben, keinen Kollegen. „Das sind auf jeden Fall Jungs, die in meinen Augen etwas untergehen und nicht die Anerkennung bekommen, die sie eigentlich verdienen“, sagt er und packt Grischa Prömel von Hoffenheim mit ins Boot. Zweimal den Namen, kein Zufall. Beier hasst es, wenn Leistung im Getümmel verschwindet.

Der Stürmer redet nicht über sich. Er redet über die, die ihm den Rücken freihalten. Anton steht hinten, organisiert, schreit, klärt. Keine Tore, keine Tiki-Taka-Show, aber ohne ihn wackelt die Kette. Beier sieht das. Mehr: Er sagt es laut. In einer Zeit, in der nur Zahlen zählen, ist das ein Handkuss an die Ungleichgewichteten.

Torres und robben – die kindheitshelden

Torres und robben – die kindheitshelden

Als Kind schaute Beier nicht auf Torjäger, die nur eins konnten. Fernando Torres hatte alles: „Abschluss, Ballkontrolle, Spielverständnis, Gespür.“ Er zählt die Eigenschaften auf, als würde er einen Lebenslauf durchgehen. Dazu kam Arjen Robben, der Dutchman mit der Innenseite aus dem Jenseits. Beier hat die Videos verschlungen, die Kurven der Flügel, die Flugbahn des Balls. Heute will er selbst so werden: komplett, unberechenbar, tödlich.

Der BVB steht vor der heißen Phase. Die Meisterschaft ist offen, die ChampionsLeague ruft. Beier wird gebraucht, nicht nur wegen seiner Tore, sondern wegen seiner Stimme. Er fordert, er lobt, er träumt. Abseits abschaffen? Vielleicht klappt es ja schon am Samstag – wenn Anton hinten alles wegräumt und er vorne die Netze flattern lässt. Dann braucht niemand mehr die Regel zu ändern. Dann zählt nur das 1:0 – und die Anerkennung für die, die sie verdienen.