Beat fahrni verlässt den fc thun kurz vor der meisterschaft
Der Mann, der den FC Thun aus der Finanzkrise führte, verlässt den Klub, bevor das große Ziel erreicht ist. Beat Fahrni gibt seine operative Führung Ende März ab – mitten im Endspurt zum Aufstieg.
Ein abgang, der überrascht
Erst im Sommer übernahm Fahrni die Geschicke des Klubs. Nun, mit neun Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz, zieht sich der Investor und Unternehmer zurück. Die Mitteilung kam am Dienstagmorgen, kurz nach dem 5:1-Kantersieg gegen den FC Stade Lausanne-Ouchy. Ein Sieg, der Thun auf die Zielgerade der Challenge League schickt.
Andreas Gerber, Präsident des Verwaltungsrates, übernimmt die operative Führung. „Sein Engagement hat massgeblich dazu beigetragen, dass wir heute dort stehen, wo wir aktuell sind“, sagt Gerber über Fahrni. Es klingt wie ein Abschied, der nicht freiwillig war.

Der mann hinter der wende
Fahrni war mehr als ein Verwalter. Er war Architekt. Gemeinsam mit einem stillen Geldgeber aus der Region löste er den Klub aus der Abhängigkeit von der chinesischen Pacific Media Group. Er sicherte Liquidität. Er stabilisierte. Er schuf die Voraussetzungen für den sportlichen Neuanfang.
Die Zahlen sprechen für sich: Seit Fahrnis Amtsübernahme stieg die Zuschauerzahl im Stockhorn Arena um 23 Prozent. Die Schulden sanken um über eine Million Franken. Und das Team? Spielt wie entfesselt. 60 Punkte aus 27 Spielen. Das ist keine Saison – das ist ein Statement.

Was bleibt, ist die meisterschaft
Fahrni selbst sagt, seine Mission sei erfüllt. Der Drei-Jahres-Plan, den Club nachhaltig neu auszurichten, habe funktioniert. Was er nicht sagt: Warum jetzt? Warum kurz vor dem Titel? Warum, wenn die Fans bereits „Wir sind zurück“ singen?
Im Verwaltungsrat bleibt er sitzen. Aber das ist ein Ehrenposten. Die Entscheidungen, die jetzt anstehen – über Kaderplanung, über Transfers, über die Zukunft in der Super League – trifft jemand anderes. Jemand, der nicht die Geschichte dieses Wandels geschrieben hat.
Die Meisterschaft ist noch nicht perfekt. Aber sie ist so nah, dass man sie schmecken kann. Und wenn die Thuner in einigen Wochen den Poken in den Händen halten, wird Beat Fahrni woanders sein. Ein Architekt, der sein Haus verlässt, bevor das Dach fertig ist.
