Bearman rast in streckenbegrenzung – suzuka-crash ohne knochenbruch
Suzuka – 280 km/h, dann nichts. Oliver Bearman schlittert in der 130-R-Kurve seines Haas über den Rasen, trifft mit voller Wucht die Bande und bleibt regungslos liegen. Der 20-Jährige kann sich zwar selbst aus dem Wrack befreien, humpelt danach wie ein Betrunkener. Die erste Diagnose: kein Knochenbruch. Der britische Rookie hat Glück im Unglück.
Colapinto bremst unerwartet – bearman hat keine flucht
Der Auslöser war Franco Colapinto. Der Alpine-Mann nimmt vor der «Esses» plötzlich die Beine vom Gas, Bearman kommt mit Haas-Teamkollege Magnussen im Windschatten, erkennt zu spät, was passiert. Ausweichen, Gras, Aufprall. Die Karbon-Karosserie zerfetzt sich in tausend Fibersplitter, das Safety-Car ist augenblicklich auf der Strecke. «Ich habe nur noch die Wand gesehen», sagt Bearman später in der Medical-Car-Vernehmung. «Dann war es dunkel.»
Die Bilder gehen um die Welt: ein Fahrzeug, das sich in Sekundenbruchteilen auflöst, daneben der junge Brite, der sich auf die Knie wirft und nach Atem ringt. Doch schon nach zehn Minuten kommt die Entwarnung vom FIA-Arzt: «Keine Frakturen, keine Bewusstlosigkeit.» Bearman wird vorsichtshalber ins Suzuka General Hospital geflogen, doch auch dort bestätigt man lediglich Prellungen an Rippen und Sprunggelenk.

Zwei rennen fallen aus – miami wird zur generalprobe
Für Bearman kommt die Pause gerade recht. Bahrain und Saudi-Arabien sind wegen regionaler Unruhen abgesagt, der nächste Grand Prix steht erst am 3. Mai in Miami an. Mehr als vier Wochen, um die blauen Flecken auszukurieren und die psyschischen Narben zu bearbeiten. «Er wird 100 % fit sein», sagt Haas-Teamchef Komatsu, «so ein Crash gehört zum Lehrgeld.»
Die Technik-Abteilung hat andere Sorgen: der VF-24 Nr. 27 ist Totalschaden, Getriebe und Antriebseinheit schrott. Für ein kleines Team wie Haas ein Sechstel-Jahresbudget, das in der japanischen Mauer zerschellt ist. Die Ingenieure müssen nun in Rekordzeit ein neues Chassis bauen – und das mit noch weniger Windkanal-Zeit als sonst.
Bearman selbst twittert aus der Klinik nur vier Worte: «Still in one piece.» Die Formel-1-Welt atmet auf. Suzuka hat schon größere Dramen gesehen, doch diesmal endet die Geschichte mit einem blauen Auge statt mit Trauerflor. In Miami will der Brite beweisen, dass er nicht nur Überleben kann, sondern auch angreifen.
