Bearman fliegt in suzuka mit 280 km/h durch die luft – und läuft weg
Ein leises Aufheulen, dann ein heller Aufblitz: Oliver Bearmans Haas-Fahrzeug schlittert bei 280 Stundenkilometern wie ein flacher Stein über den Rasen, trifft die Bande, fliegt zwei Meter hoch und landet auf der Seite. 30 Sekunden später kriecht der 20-Jährige aus seinem Wrack, humpelt, aber lebend. Suzuka hat wieder einmal bewiesen, dass die Grenze zwischen Spektakel und Tragödie in der Formel 1 oft nur aus Carbon besteht.
Franco colapinto bremst unerwartet – und löst kettenreaktion aus
Die Unfallursache ist rasch rekonstruiert: Franco Colapinto (Alpine) verlangsamt sich vor der 130R-Kurve unerwartet, weil er mit einem defekten Sensor seine Geschwindigkeit nicht mehr ablesen kann. Bearman, dahinter auf der schnellen Linie, reagiert mit der einzigen Option, die ihm bleibt: Gras statt Asphalt. Der Haas verliert Bodenhaftung, dreht sich, trifft mit der linken Vorderachse die Reifenstapel – ein Aufprall, der auf der 14-G-Messung des FIA-Datenschützers landet.
Das Medical Team ist innerhalb von 42 Sekunden an der Stelle. Bearman sitzt bereits auf der Kufe, betont, dass „alles gut“ sei. Die erste Röntgenuntersuchung im Streckenhospital bestätigt: keine Knochenbrüche, keine inneren Blutungen. „Olli war schon immer ein harter Typ“, sagt Teamchef Ayao Komatsu, „aber dass er nach so einem Schlag selbst aussteigt, beeindruckt selbst uns.“

Statt bahrain und dschidda bekommt bearman vier wochen pause geschenkt
Die nächsten beiden Rennen fallen coronabedingt aus – für Bearman ein Glück im Unglück. Statt in zwei Wochen wieder in den Sitz zu müssen, hat er bis zum GP Miami am 3. Mai Zeit, seine Prellungen auskuriert. „Ich werde die Tage nutzen, um die Schulter zu stärken und mit dem Physio an der Halswirbel-Serie zu arbeiten“, sagt er aus dem Hotel in Nagoya. „Aber ich will in Miami wieder Vollgas geben.“
Die FIA leitet parallel ein Standardverfahren ein: Untersuchung des Chassis, Überprüfung der Crashstruktur, Analyse der Dash-Cam-Daten. Das Ergebnis dürfte in neue Sicherheitsstandards einfließen – Suzuka gilt als Kurs mit den höchsten Energiewerten des Jahres.
Für Bearman bleibt ein Schreckmoment, der sich aber schnell in Motivation verwandelt. „Wenn du so einen Aufprall überstehst, willst du direkt zurück ans Steuer. Das ist unser Job – und unser Drogenkick.“ In der Nacht nach dem Unfall schickt er seiner Familie per WhatsApp ein Foto: Daumen hoch, blaue Prellung am Hals, breites Grinsen. Unter dem Bild steht nur ein Satz: „Carbon hält, Olli auch.“
