Bayern-schützenfest geht weiter: kompany-offensive schlägt rekorde

München lebt von der Torgeige. Nach dem 6:1 von Lissabon schraubt der FC Bayern die Messlatte in der Champions League noch höher und jagt neben Punkten vor allem Statistiken. Die Rede ist vom besten Angriff Europas – gemessen an Toren, xG und Tempo.

17 Tore in fünf pflichtspielen seit februar

17 Tore in fünf pflichtspielen seit februar

Das Allianz Arena erwartet heute Abend kein Zitterspiel, sondern ein Offensivfeuerwerk. Vincent Kompany rotiert, trotzdem bleibt die DNA dieselbe: früher Ballgewinn, sofortige Vertikalität, flache Hereingaben in die Box. Die Gegner wissen, was kommt, verhindern es trotzdem nicht.

Die Zahlen sind schon jetzt absurd. 22 Tore in sechs Gruppenspielen, dazu 5,8 erwartete Treffer (xG) pro Partie – kein Klub liegt höher. Die „Zweitbesetzung“ kam beim 4:0 in Frankfurt trotz sieben Wechseln auf 3,1 xG. Die Maschine frisst Ersatzteile und spuckt Tore aus.

Was aber macht diesen Angriff so unberechenbar? Erstens die Positionsvielfalt. Musiala landet mal als falsche Neun, mal als halbrechter Acht. Sane zieht von rechts nach innen, während Davies die Außenbahn zu einem Überholstreifen dehnt. Zweitens die Entscheidungsgeschwindigkeit. Im Schnitt vergehen 7,4 Sekunden zwischen Balleroberung und Torschuss – Rekord in der Königsklasse.

Die Gäre kommt von der Bank. Tel, Mazraoui, Pavlovic – allesamt unter 22, aber mit Anweisung, sofort nach vorne zu triggern. Kompany nennt das „vertical relief“. Der Begriff klingt nach Leichtbau, ist aber pure Psycho-Logik: Wer Angst vor Niederlage nicht kennt, trifft eben dreimal statt einmal.

Premium-Gegner wie Barcelona oder Real schauen neidlos zu. Die Katalanen erzielen zwar 2,4 Tore pro Spiel, kassieren aber 1,3 – zu viel, wenn das Endspiel das Ziel ist. Real wiederum dominiert durch Einzelaktionen, nicht durch Kollektiv-Pressing. Bayern kombiniert beide Welten.

Die Frage lautet nicht mehr, ob die Münchner ins Viertelfinale einziehen, sondern wie groß die Tor-Differenz am Ende sein wird. Sportdirektor Freund ließ durchblicken, dass man sogar an der 20-Tore-Marke in der K.o.-Phase schnuppern will. Lächerlich? Vielleicht. Realistisch? Mit dieser Effizienz: durchaus.

Der Gegner von heute wird zur Statistiker-Futterquelle degradiert. Die Spieler selbst reden nicht mehr vom „nächsten Schritt“, sondern vom „statement“. Ein 4:0 vor heimischer Kulisse wäre kein Luxus, sondern eine Botschaft an City und Arsenal: Wer uns stoppen will, braucht nicht nur eine defensive Mauer, sondern eine Flutbremse.

Um 21 Uhr geht’s los. Die Wette der Buchmacher: Over 3,5 Tore bei Quote 1,65. Die Wette der Fans: Noch ein Tor-Spektakel, das in den Annalen der Champions League Bestand hat. Denn wenn der FC Bayern momentan aufläuft, zählt nicht die Uhr, sondern nur noch der Zähler im Netz.