Bayern basketball: finale in höchster gefahr!

Die Stimmung im Audi Dome ist frostig. Nach der überraschenden und deutlichen Heimniederlage gegen Alba Berlin mit 79:86 steht der FC Bayern Basketball vor dem wohl größten sportlichen Schockmoment der Saison. Der Meister, der sich so schwer tat, während der gesamten Spielzeit Konstanz zu finden, droht nun, die Meisterschaft zu verspielen – und das, obwohl er die erste Finalpartie so dominant gewonnen hatte.

Pesic: „wir haben aufgehört zu spielen!“

Die Worte des erfahrenen Trainers Svetislav Pesic hallen nach. Nach dem Spiel räumte er offen ein: „Es war ein verdienter Sieg. Wir haben alles, was wir in der ersten Halbzeit gut gemacht haben, im dritten Viertel vermissen lassen. Wir haben aufgehört zu spielen!“ Diese Selbstkritik ist ehrlich, aber sie wirft ein Schlaglicht auf die ewigen Probleme der Bayern: Einbruch in entscheidenden Phasen, mangelnde Konstanz und eine Abhängigkeit von Einzelaktionen.

Denn eines ist klar: Die Bayern sind nicht mehr das unaufhaltsame Kraftpaket, das sie zu Beginn der Playoff-Serie zu sein schienen. Die vielen Probleme, die sich über die gesamte Saison hinweg zogen und dem Team den Aufstieg in die Euroleague erschwerten, sind noch lange nicht gelöst. Stattdessen kehrten die alten Muster zurück, die bereits im Pokalhalbfinale gegen Bamberg und in der Euroleague zum Scheitern führten.

Obst im visier: albas taktischer schachzug

Obst im visier: albas taktischer schachzug

Ein entscheidender Faktor in der Niederlage war die taktische Meisterleistung von Alba Berlin. Trainer Pedro Calles hatte sich ein klares Ziel gesetzt: Andreas Obst aus dem Spiel nehmen. Und das gelang ihm auf beeindruckende Weise. „Sein Auftritt in Spiel eins war unglaublich. Unser Ziel war es ganz klar, dass es solch eine Performance nicht ein zweites Mal geben darf“, erklärte Calles nach dem Spiel. Malte Delow von Alba verdeutlichte: „Wir haben versucht, seine Plays wegzunehmen, ihn auch mal in andere Richtungen zu schicken und ganz speziell sehr physisch sein gegen ihn. Man muss versuchen, dass er den Ball gar nicht erst in einer guten Position bekommt.“

Die Berliner agierten konsequent mit doppelter Manndeckung an der Dreierlinie und setzten ihn im Korblegerbereich unter enormen physischen Druck. Michael Rataj von Alba freute sich: „Wir haben analysiert, wie er gerne wirft. Da haben wir uns verstärkt drauf angepasst. Wir haben ihn zu super schweren Würfen gezwungen.“ Die Bayern wiederum wirkten ratlos, wenn Obst nicht in Form war. Es ist ein Muster, das sich bereits in der regulären Saison wiederholt hat und das die Bayern immer wieder in Bedrängnis bringt.

Dominanz bleibt mangelware

Dominanz bleibt mangelware

Trotz eines der höchsten Budgets der BBL und einer Reihe talentierter Spieler gelingt es dem FC Bayern München selten, diese Qualitäten in echte Dominanz umzumünzen. Justus Hollatz monierte: „Insgesamt müssen wir endlich 40 Minuten bereit sein.“ Die Bayern schienen in entscheidenden Momenten das Spiel aus der Hand zu geben und versuchten dann, die Sache mit der Brechstange zu lösen. „Wir haben irgendwann nicht mehr unser Spiel gespielt. Offensiv haben wir viel zu viel 1-gegen-1 gespielt“, kritisierte Hollatz.

Entscheidung in berlin

Die Bayern stehen nun vor einer gewaltigen Aufgabe. Sie müssen in Berlin gewinnen, um noch eine Chance auf den Titel zu haben. Alba Berlin hat mit zwei Heimsiegen die Meisterschaft bereits in den Taschen. Die Max-Schmeling-Halle, bekannt für ihre kompakte Atmosphäre und ihre treuen Fans, wird zum Hexenkessel. „Wir freuen uns auf eine geile Atmosphäre in der Max-Schmeling-Halle. Das wird es den Bayern sehr schwer machen“, prognostiziert Malte Delow.

Die Spieler sind sich der Lage bewusst. „Ich war vom Start der Serie confident, dieses Selbstvertrauen ist auch jetzt noch da. Jetzt heißt es, dass wir uns wieder zusammenschrauben“, sagte Hollatz. Svetislav Pesic bleibt optimistisch: „Wir haben keine andere Lösung. Wir sind immer optimistisch. Ergebnisse bringen nur Verantwortung. Und diese Verantwortung haben wir für unser eigenes Spiel.“ Die Unruhe in München ist spürbar, doch die Bayern müssen nun zeigen, ob sie den nötigen Charakter und die mentale Stärke besitzen, um diesen Rückschlag zu überwinden und den Super-Gau abzuwenden. Eine Aufgabe, die leichter gesagt ist, als getan.