Basler beleidigt frauenfußball – doch der sport läuft ihm davon

Mario Basler raucht durch. Im SWR-Podcast „leitet“ er das Frauenspiel als „kein Fußball“ ein, weil Frauen eben nicht grätschen. Die HSV-Frauen laden ihn daraufhin ins Stadion ein – er lehnt ab, weil er Abendunterhaltung in Euskirchen verspricht. Die Szene passt ins Bild eines Mannes, der seit Jahren mit Aufmerksamkeitshascherei seine Rentenkasse füllt.

Die bühne ist längst nicht mehr seine

Basler mag den Geruch von Trikotstoff und Zigarettenrauch in Nostalgie wickeln, doch die Zahlen sprechen gegen ihn. 57.000 Zuschauer saßen vor zwölf Monaten im Pokalhalbfinale Hamburg gegen Bremen, Rekord für den deutschen Frauenfußball. Giulia Gwinn, 24, Kapitänin des DFB-Teams, bringt mit allein 719.000 Instagram-Followern mehr Aufmerksamkeit als jede Talkrunde, die Basler heute noch bucht. Die A-Klasse der Bundesliga steckt Millionen in Nachwuchsakademien, weil der Frauenfußball zweistellige Wachstumsraten liefert, während Männerlizenzen stagnieren.

Sein Argument, Frauen „grätschen nicht“, entlarvt ihn sportlich. Moderne Verteidiger trainieren seit Jahren, nicht zu grätschen – die Grätsche gilt als Ausweis schlechter Laufwege, als Risiko mit Rotstufe. Baslers Lieblingsbeispiel ist also längst antiquiert, genau wie seine Rolle als TV-Provokateur. Die Analysten von heute schwärmen von Pressingresistenz und Halbraum-Sechsern, nicht von krawalligen Sprüchen.

Die einladung bleibt offen – und das netz vergisst nicht

Die einladung bleibt offen – und das netz vergisst nicht

Der HSV-Post („Große Bühne, großer Sport … Bier gibt‘s auch“) erreichte binnen vier Stunden 1,2 Millionen Impressionen. Die Kommentare: Spott, Gelächter, aber auch Dankbarkeit von Mädchen, die endlich Vorbilder sehen, ohne dass jemand ihre Leidenschaft kleinredet. Baslers Name trendet parallel dazu – als Absender von Hohn, nicht von Fachkompetenz. Für Sponsoren ist das Gift, für Veranstalter ein Risiko.

Er wird in Euskirchen seine Fans finden, die ihm zujubeln, wenn er vom „Früher“ erzählt. Aber das Geld, das er dort einnimmt, ist Kleingeld gegen die TV-Rechte, die der DFB mit dem Frauenpokal neu verhandelt. Die Quote steigt, die Werbeblocks verkaufen sich, und niemand fragt mehr nach einer weißbepöbelten Rhetorik der Neunziger.

Der Frauenfußball braucht keine Grätschen, um zu glänzen. Er braucht Spielfreude, Nachwuchsstrukturen und Respekt. Alles Dinge, die Basler offensichtlich nicht mehr liefern kann. Bleibt zu hoffen, dass sein Mikrofon bald so leer ist wie sein Argumentarium – und dass die nächste Einladung an jemanden geht, der sich für Zukunft statt für Zoten interessiert.